B. P., Stockholm, Ende Juli

Eigentlich war schon vor vier Wochen alles klar, und man rechnete damit, daß der westdeutsche Handelsvertrag mit Schweden am 6. Juli in Bonn unterzeichnet werden würde. Plötzlich entstanden jedoch Bedenken wegen der deutschen Automobilausfuhr nach Schweden. Man vertagte und wollte sich am 16. Juli in Stockholm wieder treffen. Erst am 24. Juli aber begannen hier die Verhandlungen, und heute sieht es fast so aus, als würden sie sich noch bis in den August hineinziehen...

Nachdem man sich über Koks und Weizen geeinigt hatte, sind die Kraftfahrzeuge die einzige offene Frage. Praktisch ist der Handel zwischen beiden Ländern ja zu etwa 92 v. H. freigegeben und arbeitet ausgezeichnet. Die deutschen Kraftfahrzeugexporte nach Schweden erreichten im vergangenen Jahr einen Wert von rund 378 Mill. kr oder 300 Mill. DM und wären damit also dreimal so groß, wie das Westdeutschland zustehende Einfuhrkontingent von etwa 140 Mill. kr. Hier aber liegt auch eine Schwierigkeit: Damit hat Schweden das Recht und die Möglichkeit, die tatsächliche Kraftwageneinfuhr auf ein Drittel zu beschränken. Schon zweimal hat es vorübergehend das Tor geschlossen. Man kann also verstehen, daß die westdeutsche Automobilindustrie gern gewisse Zusagen haben möchte (oder rechtzeitige Vorwarnungen); ein plötzliches Stocken der laufenden Transporte wäre unangenehm und kostspielig.

Für Schweden wiederum ist der Kraftwagenimport – jedenfalls zum Teil – ein reiner Luxus. Da die Zahlungsbilanz Schwedens gegenwärtig passiv ist, zehrt dieser Luxus am Devisenbestand der Riksbank. Es ist für Schweden also nicht nur eine Frage des Wollens, sondern vor allem eine des Könnens. Natürlich würde sich eine Sperre über die bewilligten Kontingente hinaus nicht nur gegen Deutschland, sondern gegen alle Länder richten, aus denen Kraftfahrzeuge nach Schweden kommen. Das deutsche Kraftwagenkontingent einfach zu erhöhen, ist Schweden auch nicht möglich, ohne allen anderen Ländern das gleiche zu bewilligen. Es dürfte daher äußerst schwer sein, eine für beide Teile befriedigende Lösung zu finden, durch die sich der augenblickliche status quo vertraglich für die Zukunft sichern läßt. Wann und wie man also in Stockholm am Verhandlungstisch zu einer Einigung kommen wird, läßt sich im Augenblick noch nicht absehen.