Studenten des Germanistischen Instituts der Greifswalder Universität und der medizinischen Fakultät der Universität Rostock haben, so wird aus der Sowjetzone berichtet, die Beseitigung des obligatorischen gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudiums – also des Studiums des Marxismus-Leninismus – gefordert. Gleichzeitig wird aus Kiel bekannt, daß das Studentenparlament der Christian-Albrecht-Universität beim Senat beantragt hat, das Studium des Marxismus-Leninismus in den Vorlesungsplan der Universität einzugliedern und in Form von öffentlichen, für Hörer aller Fakultäten freien Vorlesungen und Seminaren den Marxismus-Leninismus als freiwilliges Prüfungsfach in den Examina aller Fakultäten zuzulassen.

Diese Forderung, gerade während des Aufbegehrens sowjetzonaler Studenten gegen jenes Fach erhoben, klingt unvernünftig und ist doch sehr vernünftig. Der Tag X der Wiedervereinigung mag nah oder fern sein – solange müssen wir uns, und das wurde in Kiel richtig erkannt, mit dem Marxismus-Leninismus als Ideologie einer expansiven Macht auseinandersetzen, um an diesem Tage nicht überfahren zu werden. Und bis dahin, hoffen wir, wird es den Studenten in der Zone weiterhin möglich sein, gegen die ihnen aufgezwungenen "Errungenschaften auf dem Gebiet des Hochschulwesens" – trotz scharfer Zurückweisung durch die SED – zu rebellieren. o. f.