Über der verschönerten Sportanlage des Hamburger Clubs an der Alster wehen die bunten Fahnen von 21 Nationen. Erst am kommenden Sonntag wird die große 10-Tage-Schlacht der Hamburger Tennisgilde um die Internationalen Meisterschaften von Deutschland beendet sein, diediesmal eine Jubiläumsveranstaltung des Clubs war.

In den ersten Kämpfen mußte sich mancher Favorit mächtig anstrengen, um eine Niederlage abzuwenden. Das Wetter hat bisher etwas Kummer gemacht, aber wie es auch werden, mag, die letzten Tage des Turniers versprechen prächtigen Sport, wo nur noch die Besten gegeneinander antreten werden.

Ein überraschender Höhepunkt (vielleicht des ganzen Meetings) war der aufregende Fünfsatzkampf, den der athletische und nicht ungeschickte Ungar Antal Jancso, mit dem niemand gerechnet hatte, dem Titelinhaber der Jahre 1953 und 1954, Budge Patty, lieferte. Lange war die Entscheidung erregend ungewiß, vielleicht rettete den in Parislebenden Amerikaner vor einer bösen Überraschung schließlich nur der starke Gewitterregen, der das aufregende Duell für zwei Stunden unterbrach. Oder waren es diesmal doch noch einmal die Routine und die größere Kampferfahrung? Immer, wenn Patty ans Netz vorstürmte, war er der Überlegene und sammelte seine Punkte, bis im letzten Satz der Ungar ihn manchmal mit seinen eigenen Waffen schlug. Noch fehlt diesem neuen großen Talent auf der weltweiten internationalen Tennisbühne die letzte Raffinesse. Alles in allem aber – . Janeso wird bestimmt noch weiter von sich reden machen.

Die schwere und undankbare Aufgabe, als erster gegen den heißen Favoriten dieser Meisterschaftstage, den Australier Lew Hoad, antreten zu müssen, traf den Frankfurter Helmrich der über zehn Jahre älter als sein Gegner ist; Dennoch machte eiseine Sache ganz ausgezeichnet und brillierte oftmals mit imponierenden Schlägen. Von den Deutschen hätte es bestimmt keiner besser machen können als der einunddreißigjährige Südwestdeutsche. Hoad mußte sich zuweilen recht anstrengen, um den Augenblick zu meistern. Daß er natürlich nie ernstlich in Gefahr geriet, versteht sich bei einem Wimbledonsieger von selbst – obwohl er nach seinem großen Erfolg in England schon mehrere Niederlagen einstecken mußte. Daran mag vor allem eine zu große Übermüdung schuld gewesen sein. Hier in Hamburg dürfte ihm wohl keiner der Teilnehmer den Weg zum Siege und damit zur Meisterschaft verlegen. Allein schon, um seinen prachtvollen Aufschlag zu beobachten, lohnt es sich, Hoad zuzuschauen, von seinen vielen anderen Künstenfur ganz zu schweigen.

Auch dieses Turnier bestätigte wieder, daß Deutschland noch immer nicht den Anschluß an die Weltklasse, noch nicht einmal an die europäische Elite gefunden hat. Die meisten deutschen Spieler . blieben schon in den ersten beiden Runden auf der Strecke. Selbst die fünf Raffelberg-Spieler Biederlack, Huber, Feldbausch, Pöttinger und Scholl, dem die Ehre zufiel, das Turnier zu eröffnen (er besiegte den Italiener Facchini), vermochte sich nicht weiter durchzusetzen. Allein Huber kam in die dritte Runde, in der er nun auf den gefährlichen Dänen Nielsen trifft. Biederlacks Sieg über Mezzi war insofern nicht überzeugend, als der Belgier mit Fieber antrat und somit keineswegs voll kampffähig war. Wie Patty diese fünf Mann als mögliche Wimbledon-Finalisten anpreisen konnte, ist heute genauso unbegreiflich wie vor einem Jahre.

Fraglos haben unsere Spieler schon aufgeholt, aber nach wie vor heißt es für uns: abwarten, bis auch uns wieder einmal ein wahres Talent geschenkt wird. Der Deutsche Nationale Meister, der Exiljugoslawe Milan Branovic, mußte schon im ersten Match die Segel gegen den Venezolaner Piementel streichen. Wenn der Besuch so anhält wie bisher (über 20 000 Zuschauer waren schon in den ersten drei Tagen Zeugen interessanter Spiele) wird der Veranstalter keine Enttäuschung erleben.

In einem anderen Teil Hamburgs, im Sommerbad Eimsbüttel, kämpften weitere deutsche Sportler um Meisterehren. Auch sie feierten so etwas wie ein Jubiläum. Es waren die Schwimmer. Vor fünfzig Jahren wurde auf dieser Bahn schon einmal um die deutschen Meistertitel gestritten. Und damals sah man in Deutschland auch erstmalig den Kraulstil, den uns später in Stockholm bei den Olympischen Spielen 1912 der für Amerika startende Hawaii-Mann Duke Kahanamoku in so vollendeter Form vorführte. Diesmal ging es in der Hansestadt um die Anwartschaft auf eine Reise nach Melbourne. In zwei Wochen wird man in Regensburg die Olympia-Kandidaten einer vierten und letzten Prüung unterziehen. Leider waren die Zuschauer nicht gerade sehr zahlreich erschienen. Wenn auch keine Rekorde fielen, gab es doch gute Leistungen, die Hoffnung auf ein anständiges Abschneiden in Australien machten. Neun Meister behielten ihre Titel. Überraschend holten sich die Frauen und Männer des Hamburger Schwimm-Clubs bei der Eröffnung der Drei-Tage-Kämpfe beide Rückenstaffeln. In den Kraul- und Brustlagen wird man wohl den Schwimmern der Zone den Vorzug für Melbourne geben müssen.Endgültig soll über die gemeinsame Vertretung aber erst entschieden werden, wenn das Internationale Schwimmfest in Budapest vorüber ist, und zwei für Leipzig und Wiesbaden in Aussicht genommene Prüfungsschwimmen beendet sein werden.