Erik Blumenfeld, bis 1955 Fraktionsführer der CDU und des Hamburg-Blocks in Hamburg, ist als Vorsitzender des Vorstandes der Norddeutschen Kohlen- und Cokes-Werke und Mitinhaber einer führenden Firma des deutschen Kohlenhandels, ein hervorragender Kenner der Kohlenwirtschaft. Er ist, wie die folgenden Ausführungen im einzelnen darstellen, der Meinung, daß in Bonn schlecht geplant wurde und fordert für die Zukunft die Einsetzung eines Energie- und Brennstoff-Ministers.

Die Vorstellung, unsere Kohlenversorgung erfordere nur vorübergehend den Import amerikanischer Kohle, beruht auf einem Irrtum. Wir werden auf Jahre hinaus Kohle in großem Umfang einführen müssen und wir werden sie weiterhin teurer bezahlen müssen als nötig, wenn nicht endlich eine vorausschauende und langfristige Planung vorgenommen wird. Allein im Jahre 1955 (vor der Liberalisierung) haben die kurzfristige Lizenzerteilung und andere verfehlte Maßnahmen zu Kostenverteuerungen geführt, die bei einer Einfuhr von insgesamt 7 Millionen Tonnen Kohle etwa 100 Millionen DM betragen haben mögen. Eine Mehrausgabe, die bei richtiger Disposition hätte vermieden werden können.

Die Kohlenwirtschaft befindet sich seit Anfang 1955 in einer Konjunktur des relativen Mangels. Die Kohle – immer noch Energieträger Nr. 1 in der Welt – kennt die Normallage, in der Angebot und Nachfrage sich die Waage halten, nicht. Kurzfristigen Überangeboten folgen jeweils länger anhaltende Mangellagen. Neu an der heutigen Situation ist jedoch folgendes:

1. daß unsere Regierung, die die gesamtwirtschaftliche Expansion seit Jahren mit allen Mitteln gefördert hat, an die Grundstoffindustrie und ihre Probleme nur sehr zögernd herangegangen ist. Es fehlte einfach an einer klaren kohlenwirtschaftlichen Konzeption.

2. Neu ist ferner die Tatsache, daß die Mangellage keinen spekulativen Charakter trägt, denn keine Verbrauchergruppe unterhält anomal hohe Bestände. Vielmehr steht einer ständig unzureichenden Förderung eine anhaltend wachsende Nachfrage gegenüber.

3. Die Mangellage ist relativ, denn heute und in Zukunft kann im Gegensatz zu früheren Zeiten eine plötzlich auftretende Versorgungslücke in jeder beliebigen Menge durch Kohleneinfuhren gedeckt werden.

Niemand kann die gewaltigen Probleme verkennen, denen sich der Bergbau nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen Montan-Union-Ländern und in England gegenübersieht: