Die zweite oHV der IG-Farbenindustrie i. A. in Frankfurt, auf der rund 66 v. H. des Stamm-Aktienkapitals vertreten waren, hat erwartungsgemäß wenig Neues gebracht. Die Liquidatoren stellten in ihrem Rechenschaftsbericht, der von Dr. Walter Schmidt, Düsseldorf, erläutert wurde, zum wiederholten Male fest, daß oberster Grundsatz bei all ihren Maßnahmen die volle Befriedigung der Gläubiger vor den Aktionären sei. Sie vertraten die Ansicht, daß man mit der Ausschüttung von 92 v. H. der Masse des Westvermögens der IG schon ziemlich weit gegangen war, zumal nach wie vor auf der Passivseite der Liquidationsbilanz erhebliche Unsicherheitsfaktoren bestehen. Sie ergeben sich vor allem aus dem Wollheim-Prozeß, aus dem Riebeck-Prozeß, aus dem Verfahren gegen die Luftfahrt-Bank und dem Prozeß um die Pohlitz-Anleihe. Erst wenn diese abgesichert sind, sollen die Kapitalausschüttungsforderungen der drei Nachfolgegesellschaften BASF, Hoechst und Leverkusen berücksichtigt werden.

Nach Lage der Dinge ist daher kaum damit zu rechnen, daß für die Liqui-Inhaber noch Nennenswertes übrigbleibt, falls nicht nach einer Wiedervereinigung die Ostwerte zur Abwicklung zur Verfügung stehen. Eines aber haben die Liquidatoren hierbei nicht berücksichtigt, nämlich, daß die IG-Aktionäre von gestern nicht mehr die Liqui-Inhaber von heute sind. Letztere legen – und das zeigte sich im Verlauf der HV recht deutlich – den größten Wert darauf, möglichst viel aus der Restmasse des IG-Vermögens für die Aufstockung ihrer Papiere zu erhalten. An der allzu großen Bereitschaft zu einem Vergleich im Wollheim-Prozeß und an der vorläufigen Kapitalausstattung der Nachfolgegesellschaften in Höhe von 110 Mill. DM der ihnen zustehenden 135 Mill. DM entzündete sich daher die Kritik der Aktionäre in der lang andauernden Diskussion.

Erfahrene Juristen aus dem Kreis der Aktionäre sehen keinen Anlaß zu einem en bloc-Vergleich im Wollheim-Prozeß. Sie verweisen vielmehr auf die Regreßpflicht des Bundes, um so mehr, als das vor sechs Wochen herausgekommene neue Bundesentschädigungsgesetz die Anspruchsberechtigung erheblich erweitert hat. Ein neuer Aspekt ergab sich durch das Zugeständnis der Verwaltung an die Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, die beantragt hat, vor Abschluß eines Vergleichs im Wollheim-Prozeß die Zustimmung einer einzuberufenden aoHV einzuholen. Sie soll im September stattfinden und als einzigen Punkt der Tagesordnung den Wollheim-Prozeß enthalten, um den Aktionären die Möglichkeit zu lassen, das Ergebnis der Vergleichsverhandlungen zu akzeptieren oder abzulehnen. Die Liquidatoren erklärten sich dazu bereit, obwohl eine solche Prozedur "große Bestürzung" ausgelöst hat, weil sie die Verhandlungen noch erschwert.

Die weitere Kritik richtete sich gegen die vorläufig als – zinslosen Kredit gewährte Kapitalausstattung der Nachfolgegesellschaften. Dr. Semmler von der Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz trat mit einem Antrag an die Verwaltung heran, die Feststellung des Jahresabschlusses für 1955 so lange auszusetzen, bis über die Verpflichtung der IG-Nachfolger gesellschaften, die vorläufig gewährten Kapitalausstattungsbeträge zu marktgerechten Sätzen zu verzinsen, entschieden ist. Nach Ansicht der Schutzvereinigung soll die Verzinsung enden, sobald nach Ausschüttung der Hüls-Holding-Aktien die endgültige Kapitalausstattung aus hierfür freien Mitteln vorgenommen werden kann. Dieser Antrag verfiel der Ablehnung, nachdem die HV die Abschlüsse 1952 bis 1955 gegen die Stimmen einer geringen Minderheit genehmigte. Allerdings gaben zwei Aktionäre mit zusammen 740 000 Stimmen von den 8,98 Mill. gegen den Geschäftsbericht 1955. Protest zu Protokoll mit der Begründung, daß in der Bilanz die Ansprüche gegen die Nachfolgegesellschaften nicht ausgewiesen sind. Für den aus dem AR ausgeschiedenen Fritz Höfermann, Düsseldorf, ist nunmehr Dr. Blessing, Hamburg, neu gewählt worden. K. B.

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Das Hamburger Röntgenwerk C. H. F. Müller erhielt von der peruanischen Regierung einen Auftrag über die Lieferung von Krankenhauseinrichtungen im Werte von 20 Mill. DM. Die ersten Geräte sind bereits in Peru eingetroffen, und die Abwicklung des Geschäfts geht in bestem Einvernehmen mit den peruanischen Behörden und Fachleuten vor sich.