Zwölf Jahre Bundeskanzler! In einem Interview mit dem amerikanischen Magazin "Newsweek" kündigte Adenauer an, er wolle im Falle eines Wahlsieges seiner Partei im Jahre 1957 erneut das Amt des Bundeskanzlers übernehmen.

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Zwölf Monate Wehrdienst! Der christlich-demokratische Bundestagsabgeordnete Lenz machte sich – wie vor ihm schon der CSU-Abgeordnete Jaeger – zum Fürsprecher eines nur zwölfmonatigen Wehrdienstes. In Bonn sieht man in dieser Erklärung des prominenten CDU-Politikers einen Hinweis darauf, daß die Fraktion sich von der Auffassung des Verteidigungsministeriums, das nach wie vor am Plan einer achtzehnmonatigen Dienstzeit festhält, abzusetzen beginnt.

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Nassers Coup: Nachdem die Vereinigten Staaten und England (als ziemlich unverhohlene Reaktion auf Ägyptens westöstliche Schaukelpolitik) ihre Finanzierungsangebote für den Assuan-Staudamm zurückgezogen hatten und auch die Weltbank von diesem Projekt abgesprungen war, verkündete Staatspräsident Nasser (wiederum als unverhohlene Reaktion) die Verstaatlichung der internationalen Suezkanal-Gesellschaft. Der gewaltsame Schritt Ägyptens löste in den westlichen Hauptstädten, vor allem in London und Paris, Proteststürme und eine sehr rege diplomatische Aktivität aus. Die Besorgnis scheint, sich dabei weniger auf die Tatsache der Enteignung als vielmehr darauf zu richten, daß jetzt eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt (durch die mehr als 70 v. H. des in Europa benötigten Erdöls herangeschafft werden), dem Belieben eines unberechenbaren und fanatischen Politikers ausgeliefert ist. In London trafen Außenminister Selwyn Lloyd, sein französischer Kollege Pineau und der amerikanische Unterstaatssekretär Murphy zu einer Sonderkonferenz zusammen, auf der die möglichen Sanktionen erörtert wurden. – Der britische Premierminister Eden gab am Montag im Unterhaus bekannt, England habe die Ausfuhr allen Kriegsmaterials nach Egypten gesperrt.

Für und wider Nixon: Völlig überraschend für die amerikanische Öffentlichkeit kam der Vorstoß, den der Abrüsfungsbeauffragte Präsident Eisenhowers, Stassen, gegen den jetzigen und vielleicht auch zukünftigen Vizepräsidenten Nixon unternahm. Stassen, der den linken Flügel der Republikanischen Partei vertritt, forderte Nixon, der als Exponent des rechten Flügels gilt, auf, seine Kandidatur zurückzuziehen, und schlug den Gouverneur von Massachusetts, Herter, als Kandidaten vor. Am vergangenen Wochenende sprachen sich jedoch 180 von den 202 republikanischen Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses für eine neue Kandidatur Nixons aus. Trotz dieser Entscheidung dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein; da sich wegen des Gesundheitszustandes Eisenhowers stärker als je zuvor das Interesse auf den potentiellen Präsidentschaftsnachfolger konzentriert.

Schlesien nicht polnisch. Auf einer Kundgebung in Kattowitz bezeichnete der sowjetische Ministerpräsident Bulganin Schlesien als das "industrielle Herz Polens" und erklärte, an der gegenwärtigen Grenzziehung werde sich nie wieder etwas ändern. In einer scharfen Stellungnahme wies Bundeskanzler Adenauer nachdrücklich auf den provisorischen Charakter der jetzigen Grenze hin und sagte: "Die Erklärung des sowjetischen Ministerpräsidenten ist ein erneutes Zeichen für die Zweifel, die man in Polen selbst an der Dauerhaftigkeit und Gerechtigkeit der Oder-Neißelinie hegt." Sirius, 2. 8. st.