Trotz des unverändert starken Devisenzuganges und des damit verbundenen Liquiditätszuflusses beginnen sich jetzt die "Kreditbremsen" der Diskonterhöhung vom 18. Mai und der gleichzeitigen Refinanzierungsbeschränkungen immer fühlbarer auszuwirken. In ihrem neuesten Monatsbericht bezeichnet die Bank deutscher Länder das Aktivgeschäft der Banken als "bemerkenswert zurückhaltend", wie auch die Expansion der kurzfristigen Bankkredite, die bis Mai verhältnismäßig stark gewesen sei, neuerdings nachgelassen habe. Diese Entwicklung hat wesentlich zu der unerläßlichen Verlangsamung in der Ausweitung der Gesamtnachfrage beigetragen; auch der Auftragseingang ist bereits wesentlich ruhiger geworden.

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Sensationen um und mit jedem Preis: das war die nur schlecht verborgene Absicht vieler Textileinzelhändler beim diesjährigen Sommerschlußverkauf. Wenn Blusen für 50 Pf, Krawatten für 25 Pf und Büstenhalter sogar für 8 Pf angeboten wurden, dann muß man nicht nur an dem psychologischen Fingerspitzengefühl (die Verbraucher fragen: "Weshalb sind die ‚üblichen‘ Preise so hoch?"), sondern auch an der kaufmännischen Einsicht dieser "tüchtigen" Einzelhändler zweifeln. Mit der Funktion einer Saisonlager-Räumung hat eine derartige Preisbildung nichts zu tun. Aber die Verbraucher scheinen dies besser begriffen zu haben als die Händler: Das Interesse konzentrierte sich auf mittlere und bessere Qualitäten.

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Das Investmentsparen hat in der Bundesrepublik in den letzten Monaten laufend an Beachtung gewonnen. Selbst bei schwachen Börsen wude bemerkenswert lebhaft gekauft. Die Interessenten setzten sich zu 50 v. H. aus neuen Käuferschichten zusammen, die bisher an der Börse nicht erschienen waren. Der gute Erfolg wird darauf zurückgeführt, daß beim Investmentsparen einerseits das Sachwertgefühl und andererseits die Risikominderung berücksichtigt werden.