Die Verwaltung der Robert Bosch GmbH hat mit ihrer Anleihe zu 8 v. H. ein Tor aufgestoßen, durch das sich nun die Emittenten zu drängeln beginnen. Die Börse muß von dieser Seite mit einer Beanspruchung von 225 bis 245 Mill. DM rechnen, dabei sind die schon placierten Anleihen von Bosch, Klöckner-Humboldt-Deutz und Hüttenwerke Rheinhausen mit einberechnet. Bei dieser Größenordnung wird zwangsläufig die Frage nach der Ergiebigkeit des Kapitalmarkts aufgeworfen. Die Antwort muß lauten: Sie ist unvermindert schlecht, auch der neue Anlagetyp konnte daran nichts ändern. Sein Verdienst ist es jedoch, manche Illusion zerstört und einen großen Teil des Kapitalflusses, der bislang seinen Weg über die Schuldscheindarlehen suchte, wieder an die Börse gelenkt Zu haben. Die hohe Rendite der neuen Anleihen macht Tauschoperationen reizvoll, die zu Lasten der Pfandbriefe und auch der Aktien gehen. Auf beiden Gebieten gab es in der vergangenen Woche Kurseinbußen.

An den jetzt zur Zeichnung gekommenen Industrieanleihen soll sich das Ausland nur noch geringfügig beteiligt haben. Auch im Falle der Bosch-Anleihe handelte es sich bei den Auslandserwerbern nicht in jedem Fall um Anlagekäufer. Als nämlich die Bosch-Anleihe zeitweise bis 100 v. H. im Freiverkehr gehandelt wurde, flossen erhebliche Beträge auf den deutschen Markt zurück. Die Gewinne wurden also schnell realisiert. Inzwischen ist die Bosch-Anleihe wieder auf den Emissionskurs angelangt. Für die weiteren Industrieobligationen kommen als Hauptkäufer die Versicherungsgesellschaften in Betracht, die aus Gründen der "guten Mischung" gezwungen sind, nicht mehr überwiegend Schuldscheindarlehen zu vergeben, sondern auch jederzeit realisierbare Wertpapiere in den Deckungsstock aufzunehmen. Aber gerade das "jederzeit realisierbare" ist für den Kurs der Emissionen eine Gefahr, denn ist der Markt erst einmal gesättigt, dann werden Verkäufe die Kurse sehr schnell drücken und alle sorgfältig angestellten Renditeüberlegungen sind über den Haufen geworfen. Für die Industrie kommt es deshalb darauf an, den Zeitpunkt der Marktsättigung möglichst weit hinauszuschieben, also vorsichtig zu dosieren. Der kleine Anleger sollte andererseits nicht alles auf die Karte der 8prozentigen Industrieanleihen setzen, sondern auch seine guten Aktien im Auge behalten.

In der vergangenen Woche war das Bild des Aktienmarktes wenig erfreulich. Einerseits drückten die zugunsten der Industrieanleihen vorgenommenen Realisationen auf die Kurse, zum anderen lösten sich einige ausländische Kunden im Zusammenhang mit der Suez-Krise von ihrem deutschen Wertpapierbesitz, so daß es auf allen Marktgebieten zu Kurseinbußen kam. Um 11 Punkte schwächer lagen AEG, wo die Tatsache verstimmte, daß der Kapitalerhöhung eine 50-Mill.-Anleihe vorgezogen wird, der Aktionär zunächst also um sein Bezugsrecht kommt. Mit einer Kapitalerhöhung ist wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt zu rechnen. Befürchtungen, daß dieser dann gerade mit der Siemens-Kapitalerhöhung zusammenfällt, haben auf den Kurs einen zusätzlichen Druck ausgeübt. Bei den IG-Farben-Nachfolgern betrugen die Wochenverluste etwa sieben Punkte. Etwas schärfer gefallen sind Cassella, wo der durch Mehrheitskäufe überhöhte Kurs langsam abgebaut wird.

Bei den marktgängigen Montanpapieren gehen die Verluste über vier Punkte nur in Einzelfällen hinaus. Die Kurse sind offensichtlich größtenteils auf einen Stand angekommen, der nur noch wenig Raum nach unten bietet. Daß hier in der Vergangenheit größere Umschichtungen stattfanden, sagt der Bericht der Allgemeinen Deutschen Investment-Gesellschaft aus, in dem von einer Verminderung des Bestandes an Montanpapieren zugunsten der Banken-, Chemie- und Elektrowerte gesprochen wird. Gut gehalten waren die Aktien der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, die jetzt auf 129 (126 3/4) v. H. kamen. Hier spielen Hoffnungen auf eine Dividendenerhöhung für das laufende Geschäftsjahr eine Rolle. Das Papier ist schon lange von Krages-Aktionen verschont geblieben. Wie aus Börsenkreisen bekannt wird, ist man sich bei den Finanzämtern nicht darüber einig, inwieweit Gewinne aus Spekulationen, wie sie zum Beispiel Krages in den letzten Jahren mit wechselnden Erfolgen durchgeführt hat, von der Steuer befreit sind, auch wenn die Dreimonatsfrist zwischen Erwerb und Verkauf eingehalten wurde. Teilweise wird der Standpunkt vertreten, daß Gewinne von einer gewissen Größenordnung ab als "gewerblich" zu versteuern sind.

Kaum verändert sind die Notierungen solcher Gesellschaften, die in Verbindung mit der deutschen Erdölförderung stehen. Bei diesen Papieren spielte die "Phantasie" eine gewisse Rolle. Denn kommt es im Zusammenhang mit den Streitigkeiten um den Suez-Kanal zu einer Ölkrise, gewinnt das deutsche Erdöl plötzlich erheblich an Bedeutung, die sich nach Ansicht der Spekulation dann auch in den Bilanzen niederschlagen wird.

Etwas freundlicher werden die Lederwerte beurteilt, nachdem auf der HV der Lederwerke Wieman AG die Lage der Lederindustrie nicht mehr so pessimistisch wie bisher dargestellt wurde. Leder Wieman (77–79) glaubt den Tiefpunkt überwunden zu haben, so daß vielleicht für das laufende Geschäftsjahr mit der Wiederaufnahme der Dividendenzahlung gerechnet werden kann. -ndt

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Die Rheinisch-Westfälische Lebensversicherung! a.G., Wuppertal-Barmen, hat mit der Vorlage ihrer DM-EB sowie der Abschlüsse bis einschl. 1953 nahezu Anschluß an die aktuelle Berichterstattung gefunden. Mit 104 Mill. DM hat der gegenwärtige Versicherungsbestand seinen höchsten Vorkriegsstand überschritten. Die Bilanzsumme ist von 5,3 Mill. DM am 21. Juni 1948 auf 12,1 Mill. DM am 31. Dezember 1953 gestiegen. Bei anwachsenden Vermögenserträgen und befriedigendem Sterblichkeitsverlauf wurde ein Überschuß von 1,675 Mill. erwirtschaftet, der an die Gewinnrückstellung der Versicherten ging. Für die Geschäftsjahre 1954 und 1955 wird eine Schlußdividende gewährt, die zwischen 5 und 20 v. H. der DM-Versicherungssumme liegt. Für 1956 beträgt der Gewinnanteil bei den Hauptgewinnverbänden je nach Beginnjahr zwischen 15 und 100 v. H. eines Jahresbeitrages.