Die Eisenbahnen des Saarlandes (EdS) sollen mit dem Tag der politischen Rückgliederung des Landes, also am 1. Januar 1957, von der Deutschen Bundesbahn übernommen werden. Bundesbahn und Bund sind jedoch über diesen Zuwachs durchaus nicht erfreut, aber der saarländische Steuerzahler atmet erleichtert auf. Schließlich weiß man auf beiden Seiten nur zu gut, daß die Ausgaben des Unternehmens höher liegen als die Einnahmen, und daß der von der Saar-Regierung abzulösende Fehlbetrag von Jahr zu Jahr wächst So war das Defizit des verflossenen Jahres rund fünfmal größer als 1950, und auch im Vergleich zu 1954 ergab sich eine beträchtliche Verschlechterung des Betriebsergebnisses. Das ist vor allem auf die Reduzierung der Frachten einerseits und die Zunahme der Betriebskosten andererseits zurückzuführen. Außerdem kommt die Beengtheit des saarländischen Raumes hinzu, durch die selbst in normalen Zeiten eine rentable Wirtschaftsführung kaum möglich ist.

Während 1955 praktisch keine Fahrpreis- und Gütertariferhöhungen erfolgten, die eine Annäherung der Einnahmen an den erheblich erhöhten allgemeinen Preisindex hätten herbeiführen können, sind im Gegenteil die Frachterlöse beim Umschlag der Güter aus dem Montanbereich durch das Inkrafttreten der ermäßigten Tarife noch um einiges vermindert worden. Die zwangsweise Übernahme solcher Montan-Frachtsätze wirkte sich deshalb so kräftig auf die Ertragslage der EdS aus, weil diese Güter annähernd die Hälfte des gesamten Verkehrsaufkommens ausmachen. Diese ungünstige Entwicklung wird sich auf Grund der zu erwartenden weiteren Ausdehnung von tarifsenkenden Bestimmungen seitens der Hohen Behörde noch fortsetzen. Auf der anderen Seite sind die Gestehungskosten der Saar-Eisenbahnen durch Verteuerung der notwendigen Betriebs- und Werkstoffe, höhere Löhne und Gehälter und zunehmende Soziallasten fühlbar angestiegen.

Für das laufende Jahr sieht der Wirtschaftsplan der Saarbahnen Gesamtausgaben in Höhe von reichlich 23 Mrd. Franken vor, die zu rund einem Drittel durch den saarländischen Staatshaushalt bereitgestellt werden müssen. Der Regierungszuschuß enthält unter anderem auch eine Milliarde Franken, die für die aus verkehrspolitischen und Kostengründen unerläßliche Elektrifizierung des Bahnnetzes bestimmt ist. Das ist ein relativ bescheidener Betrag, der aber lediglich für die Weiterführung von bereits im vergangenen Jahre begonnenen Arbeiten gedacht ist. Das Gesamtprojekt erfordert einschließlich sonstiger Modernisierungsvorhaben schätzungsweise etwa 20 Mrd. Franken.

Die Verwirklichung dieses Investitionsprogramms gilt als wesentliche Voraussetzung einer künftigen gesunden Betriebsführung. Freilich wird die finanzielle Last der Bund zu tragen haben, der wohl oder übel wieder in den Säckel greifen muß.. W. G.