K-a, Münster

Die Behörden in Coesfeld und Münster wissen nicht mehr, was sie mit Bauer Dieker anfangen sollen. Jedesmal, wenn der Geldbriefträger kommt, um ihm das Kindergeld zu bringen, wird er sehr böse und schickt ihn mit dem Geld wieder davon.

Nicht etwa, weil Bauer Dieker mehr Geld haben wollte, sondern weil er überhaupt kein Geld haben will. Dabei ist er durchaus kein reicher Großgrundbesitzer, der es nicht nötig hätte – er lebt vielmehr mit seiner Frau und acht Kindern zwischen zehn und fünfundzwanzig Jahren auf einem kleinen, recht armseligen Bauernhof bei Gescher im Münsterland.

Für jedes seiner vier Kinder unter achtzehn Jahren stehen ihm 25 Mark Kindergeld monatlich zu. Die 100 Mark sind jedoch noch nie bei um angelangt. "Ich lehne es ab, das Kindergeld anzunehmen", sagt er und schickt es zurück. "Ich verlange nichts vom Staat, der Staat soll mich in Ruhe lassen."

Die Amtsverwaltung, die Fürsorgerinnen, das Jugendamt, Vormundschaftsgericht, Ausgleichskasse und Geldbriefträger waren ratlos. Die auf den Hof entsandten Fürsorgerinnen mußten feststellen, daß die Kinder zwar schlicht gehalten werden, jedoch keinen vernachlässigten Eindruck machen.

Die Amtsverwaltung, die ihre Bücher in Ordnung haben wollte, entsann sich schließlich, daß Dieker, getreu seiner These "Ich will nichts vom Staat, der Staat soll mich in Ruhe lassen!" – auch Gemeindesteuern nie freiwillig bezahlt. Sie versuchte, seine Entmündigung durchzusetzen. Das Faktum der immer nur widerwillig gezahlten Steuern sollte ein Beweismittel mehr dazu sein.

Doch der Amtsarzt konnte kein Entmündigungszeugnis ausstellen, Bauer Dieker ist bei allem Eigensinn völlig normal.