Besorgte Gemüter fragen sich, ob das Vorgehen Gamal Abdel Nassers in den anderen arabischen Staaten Schule machen wird, ob diese womöglich versuchen werden, die Pipelines und die Raffinerien zu nationalisieren. Jedenfalls ist es angesichts der Suez-Kanal-Krise interessant, sich noch einmal den Lauf der Ölleitungen und deren Kapazität vor Augen zu führen. Bisher gingen mehr als zwei Drittel der für Europa bestimmten Ölmengen durch den Suez-Kanal. 1955 waren es 67 Millionen Tonnen Rohöl, während durch die Pipelines gleichzeitig rund 40 Millionen Tonnen befördert wurden. Zur Zeit werden alle möglichen Vorschläge gemacht, wie man gegebenenfalls den Ausfall dieser internationalen Wasserstraße kompensieren könnte. In Israel wird ein altes Phantasie-Projekt wieder ausgegraben: ein Ersatzkanal von Elath herauf an die israelische Küste (punktierte Linie). Ein Unternehmen, das etwa 2 Milliarden Dollar kosten würde. Auch die Frage wird diskutiert, den Schiffsverkehr um Afrika herumzuleiten. (Die Entfernung Abadan – Suez – Gibraltar beträgt etwa 10 500 Kilometer, um Kap Horn herum sind es 21 000 Kilometer.) Im 1. Halbjahr 1956 passierten im Durchschnitt täglich 45 Schiffe den Kanal. Es sei unmöglich, sagen die Südafrikaner, eine so große Zahl zusätzlicher Schiffe in ihren überfüllten Häfen abzufertigen und mit Kohle, Öl und Vorräten zu versorgen.