So traurig, wie mancher Großstädter meint, ist es mit dem Wandern in Deutschland doch nicht bestellt. Das zeigte der 57. Deutsche Wandertag, der in Aachen stattfand. Die 48 Wandervereine der Bundesrepublik, die rund 250 000 eingetragene Mitglieder zählen, melden nämlich, daß sich immer mehr Autobesitzer, Motorrad- und Mopedfahrer in ihre Mitgliederlisten eintragen. Auch zahlreiche begeisterte Wanderer haben sich inzwischen motorisiert, ohne jedoch mit ihrer Tradition zu brechen. Nur eines hat sich gegenüber früher geändert. Während man vor dem Kriege die Eisen- oder Straßenbahn für den Anmarschweg benutzte, fahren die Wanderer von heute immer mehr mit dem Autobus oder dem eigenen Wagen zu dem Ausgangspunkt ihrer Ausflüge.

Bei zahlreichen Vereinen hat sich die Mitgliederzahl in den letzten zehn Jahren verdoppelt, und es gibt Vereinigungen, die jährlich um etwa zehn Prozent zunehmen. Das Durchschnittsalter der Viertelmillion westdeutscher Wanderer liegt zwischen 30 und 40 Jahren. Groß ist die Zahl der Senioren, die noch mit 70 und gar mit 90 Jahren allsonntäglich zum Wanderstab greifen. Sorge macht den Vereinen nur der Nachwuchs, denn der ist nur sehr schwer von "fahrbaren Untersätzen" zu trennen. Um ihn zu gewinnen, bleibt nichts anderes übrig, als Konzessionen zu machen, und die heißen heute: "Fahre und wandere!" -s