Feriendörfer sind neuerdings große Mode für die Urlaubszeit. Nachdem eine im vergangenen Jahr eröffnete Feriensiedlung in Lindbergmühle bei Zwiesel im Bayerischen Wald sich sehr bewährt hat, so daß in diesem Jahr mehr Anmeldungen vorliegen als berücksichtigt werden können, will man im Bayerischen Wald weitere Siedlungen dieser Art errichten. Es handelt sich hierbei um Blockhäuser, die vierköpfigen Familien ausreichend Platz bieten. Sie sind komplett eingerichtet, besitzen elektrisches Licht und Propangasherde. Der Mietpreis beträgt in der Hauptsaison 12,– DM, in der Vor- und Nachsaison 11,– DM je Tag.

Doch auch in anderen deutschen Landschaften ist man nicht müßig. So ist man in der Nähe von Clausthal-Zellerfeld im Oberharz gerade dabei, ein Feriendorf mit 50 kleinen Holzhäusern zu bauen. Jedes Häuschen soll zwei völlig voneinander getrennte Räume und eine überdachte Veranda bekommen. Die Zimmer haben zwei Betten, Wascheinrichtung, Kochgelegenheit mit zweiflammigem Spirituskocher sowie Eß- und Kochgeschirr für vier Personen. Lichtanschluß und gemeinsame Wasserleitung sind ebenfalls vorhanden. Auch im Weserbergland bei Tolle wurden einige Bungalows aufgestellt und weitere sollen folgen.

Inzwischen hat sich in Stuttgart nach Schweizer und skandinavischem Muster ein gemeinnütziger Verein "Familienferienhöfe" etabliert, der Familien zu wirtschaftlich tragbaren Ferien verhelfen will. Der erste Familienferienhof dieses Vereins wird im Schwarzwald zwischen Todtmoos und St. Blasien entstehen. Etwa 30 Ferienhäuschen wurden geplant, die sich um eine Art Gasthof gruppieren. Wenn sich die Familien in ihren voll eingerichteten Häuschen nicht selbst verpflegen wollen, können sie ihre Mahlzeiten in diesem größeren Gebäude (einnehmen. Der Gasthof ist zugleich auch als Zentrum des gesellschaftlichen Lebens während der Ferien gedacht.

Ein Feriendorf mit 50 Holzhäuschen wird nicht lange allein bleiben. Es wird eine Tankstelle, Eisbuden und noch andere Betriebe anziehen Eines Tages wird es als winziger Punkt auf der Landkarte vermerkt sein. Damit ist dann sein Schicksal als Eldorado Erholungssuchender so gut wie besiegelt. Es ist nicht mehr Gegenstand eines geheimen Tips unter Vertrauten. Warum müssen es gleich ganze Sommerdörfer sein? Auch hierin dokumentiert sich noch zuviel Herdengeist. Statt Feriendörfer zu gründen, sollte man nach Schweizer Vorbild einzelne Chalets oder Blockhütten anbieten, in die man sich zu einem Einsiedlerleben zurückziehen kann. g. sp.