a.n., Aurich

Einige süddeutsche Kurgäste der Nordseeinsel Borkum sind um eine merkwürdige Erfahrung reicher nach Hause gekommen: Wasser hat zwar, wie hinlänglich bekannt, keine Balken, dafür aber Grenzen. Über eine solche Grenze wären die Süddeutschen nämlich fast gestolpert, als sie Ende Juli mit Gewehren beladen über den feuchten Sand des "Möwensteert" stapften, auf der Suche nach jagdbaren Seehunden.

Auf dieser in der Emsmündung zwischen Borkum und dem niederländischen Ufer gelegenen Sandbank, die bei Hochwasser überspielt und bei Niedrigwasser nach jahrhundertealter Auffassung deutscher Boden ist, trafen die Jäger aus Borkum holländische Wasserschutzpolizisten.

Ereignisse und Hintergrund dieser Begegnung füllen inzwischen schon etliche Schriftstücke, mit denen sich nun auch noch das Auswärtige Amt in Bonn beschäftigen soll. Denn die Frage ist noch offen: War das Vorgehen der holländischen Polizisten auf dem "Möwensteert" nur ein Versehen, oder hat es tiefere Bedeutung?

Die Beamten bedeuteten den deutschen Jägern ebenso höflich wie nachdrücklich, daß sie dort keine Seehunde schießen dürften. Denn dies sei niederländisches Gebiet, wo die Schonzeit für Seehunde erst am 1. September endet, während die in deutschen Gewässern schwimmenden Tiere schon ab 16. Juli mit Abschuß rechnen müssen.

Die Deutschen – unter ihnen auch Ortskundige aus Borkum – bestanden darauf, es handele sich hier um deutschen Boden. Sie weigerten sich, sich von den Holländern zum niederländischen Hafen Delfzijl bringen zu lassen. Auch den Kompromißvorschlag, nach Emden zu fahren, lehnten sie ab.

Die Holländer gaben nach, und man fuhr gemeinsam nach Borkum, wo man sich nach einem Austausch der Personalien voneinander verabschiedete.