Die heute bereits übersehbaren Investitionsbedürfnisse der Preußische Elektrizitäts-AG, Hannover, belaufen sich für die nächsten fünf Jahre auf rund 300 Mill. DM. Mit dem gegenwärtigen Programm, dessen Finanzierung voll gesichert ist, wird die Gesellschaft die Winterspitze 1959 noch schaffen. Über den Anschluß muß sich die Verwaltung schon heute Gedanken machen, denn die Fertigstellung neuer Kapazitäten nimmt mehrere Jahre in Anspruch. Die vorausschauenden Planungen sind deshalb besonders schwierig, weil die Versorgungsunternehmen die Höhe ihres Absatzes nicht selbst festlegen können, sondern völlig vom Stromverbraucher abhängig sind. „Wir wandern auf einem schmalen Grat“, sagte Dir. Kurt Hoffmann auf einer Pressekonferenz. „Investieren wir zu viel, macht man uns Vorwürfe, investieren wir zu wenig, dann sind wir eines Tages zu Abschaltungen gezwungen, die uns ebenfalls vorgehalten werden!“

Die Verwaltung schätzt die Steigerung des Stromabsatzes für die nächsten Jahre auf jährlich etwa neun bis zehn v. H., jeweils auf die Zahl des Vorjahres bezogen. In zehn Jahren würde sich danach der Stromabsatz weit mehr als verdoppeln. Diese Schätzungen erscheinen nicht als übertrieben, wenn berücksichtigt wird, daß der Netzbedarf bei der Preußenelektra (einschl. ihrer Tochtergesellschaft Nordwestdeutsche Kraftwerke AG. Hamburg) von 2,4 Mrd. kWh in 1946. auf 5,8 Mrd. kWh in 1955 gestiegen ist. Dieses Wachstum wird sich natürlich jetzt verlangsamen; aber Überraschungen bleiben nicht ausgeschlossen. So erhöhte sich zum Beispiel der Stromabsatz im Versorgungsgebiet der Preußenelektra im ersten Halbjahr 1956 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres schon um 16 v. H. Zusammen mit der NWK wurden in den ersten sechs Monaten 2,44 Mrd. kWh verkauft.

Da der jetzt veröffentlichte Abschluß nur über die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1955 Rechenschaft ablegt, für die übrigens eine Dividende von 6 v. H. (also 8 v. H. je Jahr) ausgeschüttet wird, ist ein Vergleich zum Vorjahr nur dort möglich, wo die Gesellschaft die entsprechenden Zahlen zur Verfügung stellt. In den neun Berichtsmonaten ist der Stromabsatz gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 17 v.H. gestiegen (wieder die NWK mit einbezogen). Diese Strommenge wurde in den Versorgungsgebieten beider Gesellschaften verkauft. Der Gesamtabsatz stieg durch Rückgang des Absatzes an benachbarte Elektrizitätsunternehmen nur um 13,6 v. H. auf 3,52 Mrd. kWh. Zur Deckung des Bedarfs wurde die Stromerzeugung in den eigenen Kraftwerken um 10,3 v. H. auf 3.12 Mrd. kWh, der Strombezug (hauptsächlich ans süddeutschen Wasserkraftwerken) um 22,9 v. H. auf 921 Mill. kWh gesteigert.

An diesen Zahlen läßt sich die volkswirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens ohne weiteres ablesen. In welchem Umfang es seit der Währungsreform gewachsen ist, zeigt diese Zahl: 855 Mill. DM wurden vom Konzern bis einschl. 1955 investiert, dabei sind in diese Rechnung nur solche Tochtergesellschaften einbezogen. an denen die Preußenelektra mit mehr als 50 v. H. beteiligt ist. Die Preußenelektra selbst befindet sich zu 83,6 v. H. im Besitz der Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG. Hamburg (Bundesbesitz). Die VEBA wird ihren vollen Anteil an der jetzt beschlossenen Kapitalerhöhung um 45 auf 156,6 Mill. DM übernehmen. Der Ausgabekurs der neuen Aktien beträgt 125 v. H.; es fließen der Gesellschaft also rund 56 Mill. zu. Allerdings wird die VEBA keine neuen Mittel einschieben, sondern die gestundeten Dividendenbeträge, die als Konzernverbindlichkeiten verbucht sind, für die Aktienzeichnung benutzen. Dadurch bekommt die Bilanz der Preußenelektra zwar ein besseres Bild, doch ist sie damit der Befriedigung ihres künftigen Kapitalbedarfs um keinen Schritt nähergekommen.

Das Anlagevermögen stand am 31. Dezember 1955 mit 675,3 (1. April 1955 : 583,6) Mill. zu Buch. Davon sind 184,3 Mill. Beteiligungen. Diese Beteiligungen haben in der Berichtszeit etwa sechs Mill. DM an Erträgen gebracht. Andererseits stellen sie an ihre Muttergesellschaft natürlich auch Anforderungen, denn ihr Kapitalbedarf muß ebenfalls befriedigt werden. Von den Tochtergesellschaften, an denen die Preußenelektra mit mehr als 50 v. H. beteiligt ist, haben die Schleswig-Holsteinische Stromversorgungs-AG, Rendsburg, ihr Kapital um 15 auf 30 Mill. und die 1955 gegründete Kraftwerk Kassel GmbH, Kassel, um 9,7 auf zehn Mill. DM erhöht. Bei beiden Gesellschaften blieb der bisherige Beteiligungsanteil von 55 bzw. 60 v. H. unverändert. Die bisherige Abteilung Wetzlar der Preußenelektra wurde mit der Hessen-Nassauische Uberlandzentrale GmbH, Oberscheld, zu der Stromversorgung Lahn-Dill GmbH vereinigt und gleichzeitig das Stammkapital um zwölf Mill. erhöht. Das Beteiligungsverhältnis der Preußenelektra stieg hierdurch von 74 auf rund 86 v. H. K. W.