Zum erstenmal in der Kulturgeschichte der Menschheit trat jetzt – am 6. August – eine internationale Konvention zum Schutz wertvoller Kulturgüter in Kraft, die in den letzten vier Jahren von 30 Staaten, darunter Westdeutschland, ausgearbeitet worden war. Nach der Konvention sollen in allen Armeen Sonderdienststellen eingerichtet werden, die in Kriegszeiten Bergung und Schutz des in Frontnähe verbliebenen Kunstgutes – gleich welchen Eigentums – übernehmen. Städte, die besonders reich an Kulturschätzen sind, will man – sofern kein Militär in ihnen stationiert ist – zu Schutzzonen erklären. "Trophäendiebstahl" in anderen Ländern soll verfolgt und bestraft werden.

Liest man die Meldung, dann weiß man nicht sogleich, was man von ihr halten soll. Denn es ist doch ein wenig verwirrend zu denken, daß das "erste Kulturschutzabkommen in der Geschichte der Menschheit" just zu dem Zeitpunkt abgeschlossen wurde, da diese Menschheit soeben die Atombombe erfunden hatte. Rothenburg ob der Tauber, Chartres oder Florenz – mit einem weißen Ring markiert auf den Planquadraten der Luftstrategen: ist das nun rührend oder gespenstisch – oder beides? k. n.