p., Hamburg

Die sehr verbreitete und im allgemeinen auch zutreffende Meinung, Gespräche über das Wetter eine recht platte Form der Konversation seien, ändert nichts an der Tatsache, daß dieses Wetter in der Urlaubszeit der Gegenstand der kühnsten Hoffnung und der ärgsten Befürchtung, ja, fast das Zentrum aller Überlegungen ist. Es ist daher notwendig, daß wir über das Wetter sprechen, auf jede Gefahr.

Der merkwürdige und bisher kaum erklärte Umstand, daß es seit zwei Jahren im sonnigen Süden oft Schnüre regnet, während im feuchten Norden die Sonne. lacht oder doch lächelt, zwingt zu einigen Überlegungen prinzipieller Art. Die Erfahrung von der Veränderlichkeit des Wetters, sicher eine der ältesten Menschheitserfahrungen überhaupt, hat Sorgen im Gefolge, von denen uns bis heute niemand – auch die zum Teil schon der Regenkonjunktur erlegenen Wetterversicherungen nicht – befreien konnte.

Aus diesem Dilemma gibt’s nur einen Ausweg: wir sollten uns vom Wetter unabhängig machen; besonders im Urlaub. Das heißt, um nur einige Beispiele zu nennen, daß wir statt eines zweiten Sommerkleides oder Anzuges ein Kostüm oder einen Skipullover, statt zweier Bademäntel nur einen und dazu einen Regenmantel und auf jeden Fall ein paar Bücher in die Koffer pressen und daß wir uns als Gefährten unserer Sommer Personen aussuchen, die nicht nur am Strand oder auf dem Tennisplatz eine gute Figur machen, sondern die auch an feucht-kühlen Abenden bestehen können. Sogar ärztlicher Rat will uns zur Unabhängigkeit einladen, indem er uns darüber informiert, daß man sich bei "gemischtem" Wetter besser erholt, als unter einer allzu penetrant prallenden Sonne.

Warum geben wir eigentlich der frisch, aber oberflächlich stimmenden Wolkenlosigkeit den Vorzug vor den melancholischen Träumereien, zu denen uns die Monotonie eines ausgiebigen Landregens verführt oder vor der herzhaften Behaglichkeit eines rumdurchtränkten Sturmtages?

Diejenigen aber, die es nicht lassen können, "schönes Wetter" mit Sonnenschein gleichzusetzen, sind nicht ohne Hoffnung, Der amerikanische Wissenschaftler John von Neumann, der 1951 mit Hilfe eines Elektronengehirns die grundlegenden Berechnungen für die Herstellung der Wasserstoffbombe anstellte, hält es für technisch möglich, in absehbarer Zeit das Klima der Erde nach Belieben zu verändern. Sein Elektronenhirn ist schon an der Arbeit, und in einigen Jahren soll es genügend nachgedacht haben, um uns ewigen Sonnenschein bescheren zu können.

Aber sollen wir uns das wirklich wünschen? Wenn es kein "schlechtes" Wetter mehr gäbe, könnte es auch kein "gutes" Wetter mehr geben, sondern nur noch Wetter, qualitätsloses Einheitswetter. Und das wäre genau so langweilig, wie Leute, die vom Wetter sprechen.