an., Osterholz-Scharmbeck

An der Unterweser ist eine Straße zu verschenken. Der Stadtstaat Bremen und der niedersächsische Landkreis Osterholz bieten sie sich seit geraumer Zeit gegenseitig an. Doch keiner will sie haben. Denn die Annahme des 250 Meter langen Straßenstückes wäre gleichbedeutend mit Geldverlust. Und darauf ist man weder auf bremischer noch auf niedersächsischer Seite erpicht, so sehr das stetig wachsende Bremen in den letzten Monaten schon etwas von seinem Appetit auf benachbarte niedersächsische Gebiete hat durchblicken lassen.

Diese 250 Meter Straße, direkte Verbindung von der Gemeinde Leuchtenburg nach Bremen-Nord, sind nicht gepflastert. Das Pflaster zu bezahlen sind die Gemeindeväter von Leuchtenburg nicht in der Lage, die von Bremen nicht bereit. So müssen vorerst die Bauern wagen, die von Leuchtenburg nach Bremen zum Markt fahren, und die sonntäglichen Ausflügler, die das hügelige, waldreiche Geestgebiet nördlich der großen Stadt so schätzen, mit ihren Wagen nach Verlassen des bremischen Staatsgebietes vom Pflaster herunter, sich 250 Meter über Stock und Stein, durch Staub und Schlamm quälen. Allerdings: dann kommt wieder festes Pflaster! Die Leuchtenburger haben nämlich im letzten Jahr tief in den Säckel gegriffen und eine Klinkerstraße in Richtung Bremen bauen lassen.

Die 250 Meter aber gehören schon zu Bremen, behaupten die Leuchtenburger. Die Bremer sind der gegenteiligen Auffassung. An dieser Stelle läuft die Straße, der sogenannte Holthorster Weg, nämlich unmittelbar entlang der Grenze. Nach bremischer Auffassung liegt die Markierungslinie im westlichen Straßengraben, nach niedersächsischer Meinung im östlichen. In Leuchtenburg führt man als Kronzeugen das Grundbuchblatt des Katasteramtes an. In Bremen hört man nicht darauf.

Schuld an der ganzen Kalamität ist die Vergeßlichkeit irgendwelcher Beamter im Jahre 1939. Damals nämlich wurden dem Stadtstaat Bremen vom Lande Preußen einige Gebiete abgetreten. Dabei wanderte auch die Grenze zum Holthorster Weg. Man vergaß jedoch zu klären, wer für die Straße verantwortlich sein soll, und so entstand hier eine Art staatsrechtliches Niemandsland. Es ist noch zu haben.