E. R. S., New York, Anfang August

Am 27. Juli war es nun endlich zu einer Einigung zwischen den Vertretern der amerikanischen Stahlindustrie und der Gewerkschaft der Stahlarbeiter gekommen. Beide Parteien stimmten einem Arbeitsvertrag von dreijähriger Dauer zu. In ihm werden den Arbeitern neben steigenden Löhnen auch andere Vorteile zugestanden: ein stärkerer Schutz für den Fall der Arbeitslosigkeit, die höhere Bezahlung für Sonntagsschichten und eine stärkere Fürsorge in Zeiten der Krankheit. Diese Zugeständnisse werden im ersten Jahr einer Lohnerhöhung von 20,3 cents je Arbeiter und Arbeitsstunde entsprechen; für das zweite Jahr ist eine Zulage von 12,2 cents und für das dritte Jahr eine weitere Erhöhung von 13,1 cents vereinbart worden. Die Kosten der einzelnen Arbeitsstunde in der Stahlindustrie werden also im dritten Vertragsjahr um insgesamt 45,6 cents höher liegen als bisher. In Industriekreisen rechnet man daher für amerikanischen Stahl mit einer Preiserhöhung um etwa 8 v. H. Trotz dieser erheblichen Belastung der Stahlproduktion sieht man hier in dem Ergebnis der Einigungsverhandlungen insofern einen Erfolg für die Industrie, weil sie jetzt mit einer dreijährigen kontinuierlichen Arbeitsperiode rechnen kann, die durch Streiks nicht mehr unterbrochen werden wird (womit also der Gedanke, den Generaldirektor Wussow gelegentlich einer Pressekonferenz der Olympia Werke AG auch für die deutsche Industrie in Vorschlag brachte, nunmehr in den Staaten verwirklicht worden ist). Gerade in der jetzigen Zeit der starken Expansion der US-Stahlindustrie ist eine solche Sicherung des Arbeitsfriedens von ganz besonderer Bedeutung.

Der durch den Streik verursachte Produktionsausfall wird auf rund 10 Mill. t Stahl geschätzt. Insgesamt sind in den Nachkriegsjahren der Stahlindustrie in den USA durch die verschiedenen Ausstände 55 Mill. t Stahl verlorengegangen. Da die stahlverbrauchenden Industrien infolge des vierwöchigen Ausstandes den größten Teil ihrer Vorräte aufgebraucht haben, wird mit einer schnellen Benutzung der Auftragsbücher gerechnet...