Im Zusammenhang mit den Kreditrestriktionen und infolge unergiebigen Kapitalmarktes werden die Versicherungen von ihren Versicherungsnehmern gedrängt, die durch die Zurückhaltung der Banken entstandenen Kreditlücken zu schließen. Dabei wird sowohl kurz- als auch langfristiges Geld gesucht. Abgesehen davon, daß die Versicherungen es ablehnen müssen, die Aufgaben einer Geschäftsbank zu übernehmen, sind die Kredit- (oder Kapital-)wünsche der Wirtschaft in ihrem Umfang so groß, daß schon aus diesem Grunde längst nicht alle Wünsche erfüllt werden können. Zudem darf nicht vergessen werden, daß die Lebensversicherungen durch die Diskussionen über die Sozialreform in eine schwierige Lage gekommen und deshalb gezwungen sind, vorsichtig zu disponieren. Die Auswirkungen der Sozialreform auf das Lebensversicherungsgeschäft sind noch völlig offen; es hängt von der endgültigen Fassung der Reform ab, ob Folgen für das Neugeschäft oder auch eine Rückkaufswelle erwartet werden müssen.

Nachdem die meisten Versicherungsgesellschaften jetzt mit der Vorlage ihrer Bilanzen auf dem Laufenden sind und ein großer Teil der Geschäftsberichte für 1955 bereits vorliegt, kann ein einigermaßen zuverlässiger Zwischenbericht über das Versicherungsgeschäft des vergangenen Jahres gegeben werden. Er läßt sich untermauern aus den Angaben von "Wirtschaft und Statistik" (Heft 6), in dem über die Kapitalanlagen der Leben-, Sach- und Rückversicherungsunternehmen im Jahr 1955 aufschlußreiche Angaben gemacht werden. Bei den Lebensversicherungen stehen die Schuldscheinforderungen mit 1,85 Mrd. DM (oder 38 v. H. der Gesamtvermögenswerte ohne Ausgleichsforderungen) an erster Stelle. Bei den Sach- und Rückversicherungen, bei denen das Liquiditätsbedürfnis im Vordergrund zu stehen hat und die deshalb jederzeit realisierbare Anlagen bevorzugen, entfielen 590 Mill. (oder 45 v. H. der echten Kapitalanlagen) auf Effekten. Schuldverschreibungen und Darlehen machen nur 190,1 Mill. per 31. 12. 1955 aus. Bei den Vermögensanlagen der Rückversicherungsunternehmen stehen ebenfalls mit 228,6 Mill. die Wertpapiere an erster Stelle, dann folgen die Schuldverschreibungen und Darlehen mit 119,3 Mill. DM.

Die Rentabilität der Versicherungen war – abgesehen von einzelnen Sparten innerhalb der Sachversicherungen – gut, wie die steigenden Dividenden zeigen. Diese günstige Entwicklung hat auch im laufenden Geschäftsjahr angehalten, so daß die jetzt erreichten Dividendensätze auf alle Fälle gehalten werden sollten.

Beim Leipziger Verein-Barmenia Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit, Hamburg, bezifferte sich der Bestandszuwachs in 1955 auf nahezu 25 Mill. DM. Er lag damit um rund 10 v. H. über dem des Vorjahres. Das Unternehmen berichtet, daß der Zug zur Großlebensversicherung angehalten hat. Die Versicherten erhalten (neben einer Schlußdividende, die bis 25 v. H. der Versicherungssumme ausmacht) ab 1957 in der Großlebensversicherung wieder 7 DM für je 1000 DM Versicherungssumme zuzüglich 1,5 v. H. der Summe der ab 1949 gezahlten Jahresbeiträge aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung.

Die Nord-Deutsche Lebensversicherungs-A G, Hamburg, schüttet auf ihr AK für 1955 wieder eine Dividende von 8 v. H. aus. Der Versicherungsbestand hat sich bis zum 30. Juni 1956 auf 72,5 Mill. DM erhöht. Den Versicherungsnehmern wird eine Versichertendividende in unterschiedlicher Höhe gewährt.

Die Deutscher Ring Lebensversicherungs-AG, Hamburg, verteilt für 1955 eine Aktionärsdividende von 8 v. H. Der den Versicherten in den Vorjahren gutgeschriebene Dividendensatz wurde von 25 v. H. der gewinnberechtigten Jahresprämie auf 30 v. H. erhöht. Die Dividendensätze in der Klein- und Großlebensversicherung betragen wiederum 20 bzw. 15 v. H. des gewinnberechtigten Jahresbeitrages.

Bei dem Deutscher Ring Krankenversicherungsverein a. G" Hamburg, hat sich in 1955 der Mitgliederbestand auf 541 670 erhöht. Der Deckungsrückstellung wurden 1,41 (1,22) Mill. DM zugeführt. Für 1956 rechnet die Geschäftsleitung mit einem Beitragsaufkommen von etwa 38 Mill. DM.