Schon vor mehreren Monaten war aus dem Bayerischen Finanzministerium bestätigt worden, daß Bayern 26 v. H. des Aktienkapitals der Luitpoldhütte AG., Amberg, übernehmen werde. Damals hatte es geheißen, daß eine grundsätzliche Einigung zwischen der Bayerischen Staatsregierung und der AG. für Erzbergbau und Hüttenbetriebe, Salzgitter, erreicht worden sei, wonach der Bayerische Staat diese Sperrminorität und die Reichswerke 74 v. H. der Aktien der Luitpoldhütte besitzen werde. Zum endgültigen Abschluß dieser Verhandlungen ist es bis heute noch nicht gekommen: aus zwei Gründen, die er nicht preisgeben, könne, erklärte uns Ministerialdirigent Freudling im Bayerischen Finanzministerium. Im übrigen bezweifelte er, daß die Reichswerke heute noch daran interessiert sein konnten, die Luitpoldhütte zu verkaufen. Versionen wollten nämlich seinerzeit wissen, daß sich unter den Interessenten u. a. Flick, die Gebrüder Röchling, eine Schweizer Gruppe und auch die Fiat-Werke befunden hätten. Freudling dementierte dies zwar nicht, stellte aber fest, daß Verhandlungen solcher Art eingeschlafen seien.

Als der frühere Reichswerke-Komplex, dem die Luitpoldhütte angehörte, aus der alliierten Kontrolle entlassen wurde, geschah dies unter der Auflage, daß die Hütte zu veräußern sei. Bei der Währungsumstellung wurde die Gesellschaft in eine AG umgewandelt und das AK auf 15 Mill. DM festgesetzt. Seit dieser Zeit hat das Werk insgesamt 30 Mill. DM investiert. Im Geschäftsjahr 1954/55 (30. 9.) hat die Luitpoldhütte, die auch schon in Zusammenhang mit Spekulationen um Erzvorkommen besonderer Art gebracht wurde, mit dem Bau eines Dampfkraftwerkes zur Deckung des wachsenden Strombedarfs begonnen. Das Projekt wird auf 15 bis 20 Mill. DM geschätzt und soll bis Anfang 1957 beendet sein. Gleichzeitig wurde die Verlegung einer Ferngasleitung zur Versorgung der nördlichen Oberpfalz, die etwa 8 bis 10 Mill. DM erfordern dürfte, in Angriff genommen.

Die Gesellschaft steigerte im Berichtsjahr die Erzförderung gegenüber 1953/54 von 58 487 auf 63 079 t und die Roheisenproduktion von 104 376 auf 108 688 t. Die Erzeugung gußeiserner Druckrohre erhöhte sich von 40 116 auf 54 238 t, die sonstiger Gießereiprodukte von 13 463 auf 19 630 t und die von Hochofenzement von 50 776 auf 60 885 t. Dabei war die Versorgung mit Hochofenschrott weiterhin schwierig; neben erhöhten Einfuhren mußten hier ebenso wie bei Kohle erhebliche Preiserhöhungen in Kauf genommen werden. Die Ertragslage war durch Kostensteigerungen und Lohnerhöhungen entscheidend beeinflußt. Im Hochofenbetrieb, bei dem keine nennenswerte Produktionsausweiterung zu verzeichnen war, konnten sie nicht aufgefangen werden. Nach Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen weist die Bilanz, die im Vorjahr ausgeglichen war, 1 Mill. DM Verlust aus, der vorgetragen wird. Der Nettoumsatz stieg gegenüber 1953/54 um etwa 9 v. H. von 54,5 auf 59,3 Mill. DM. Die Steigerung des Absatzes blieb hinter dem Anstieg der Produktion erheblich zurück. Wegen der ungünstigen Preisverhältnisse auf den Auslandsmärkten sah man von einer Verstärkung der Exportbemühungen ab. Der Exportanteil am Gesamtumsatz fiel von 4,3 v. H. auf 3,6 v. H. Von den oben erwähnten 30 Mill. DM für Investitionen hat die Gesellschaft allein im Berichtsjahr rd. 7,20 (7,54) Mill. DM – davon 6,10 Mill. DM für den Werksausbau – aufgewendet.

Für das laufende Jahr rechnet die Verwaltung mit einer gleichhohen Wachtsumsrate wie 1954/55, während in den Folgejahren eine leichte Ertragssteigerung zu erwarten sei. Produktion und Absatz hätten sich wieder gut entwickelt. Der Umsatz sei erheblich ausgeweitet worden. Allerdings würden die wichtigsten Investitionen in diesem Jahr noch nicht zum Tragen kommen. t. r.