R. S. Bonn, im August

Es gibt in Zentralamerika zwei Länder, die sich formell noch immer im Kriegszustand mit der Bundesrepublik befinden: Guatemala und Honduras. Beide verweigern eine für sie und uns tragbare Lösung in der Frage des beschlagnahmten deutschen Eigentums. Mit anderen Staaten konnte in allen Fällen eine solche Regelung gefunden werden.

Vor kurzem kehrte eine deutsche Delegation nach ergebnislosen sechswöchigen Verhandlungen aus Guatemala zurück. Ein Kompromißvorschlag, der schon die Zustimmung des Präsidenten von Guatemala gefunden zu haben schien, zerschlug sich in letzter Minute offenbar infolge der Einwirkung gewisser guatemaltekischer Interessenten. Es war, ehe die deutsche Delegation losfuhr, vereinbart worden, daß ausschließlich über die Regelung des Warenverkehrs verhandelt werden solle. Guatemala aber hielt sich nicht an diese Absprache. Es verlangte zu Beginn der Verhandlungen einen offiziellen deutschen Verzicht auf jegliche Entschädigung für das beschlagnahmte deutsche Eigentum. Das war für uns, auch mit Rücksicht auf die anderen Länder, unannehmbar.

Zur Zeit der Verhandlungen kauften deutsche Kaufleute in Guatemala 34 000 Sack Kaffee für etwa zwei Millionen Dollar. Das war eine deutliche Geste des guten Willens. Zur gleichen Zeit machte Guatemala eine ebenso demonstrative feindselige Geste: es sperrte die Einfuhr deutscher Waren und führte die Beschlagnahme deutschen Eigentums vor den Augen der deutschen Delegation fort!

Der Wert des in Guatemala beschlagnahmten deutschen Vermögens wird von uns auf etwa 45 Millionen Dollar geschätzt. Der jährliche Warenaustausch zwischen den beiden Ländern könnte nach den Berechnungen unserer Fachleute 25 bis 30 Millionen Dollar auf jeder Seite ausmachen. Im Rahmen eines solchen Warenumsatzes sollte es nicht schwer sein, jene Entschädigungsansprüche in einer für beide Seiten annehmbaren Weise zu regeln.

Deutschland war vor dem Kriege der beste Kaffeeabnehmer Guatemalas. Wir könnten es wieder werden. Dazu bedarf es aber der Verständigungsbereitschaft auf beiden Seiten. Nun ist Guatemala an der Reihe, seinen guten Willen zu beweisen. Die Verhandlungen wurden noch nicht abgebrochen, sondern nur unterbrochen. Sie könnten in Bonn fortgesetzt werden.