DIE ZEIT

Kein Verlaß auf die große Bombe

Oberstleutnant F. O. Miksche, Verfasser des Buches "Atomwaffen und Streitkräfte", gilt als hervorragender militärischer Sachverständiger.

Wieso Hohe Behörde?

Die Italiener sind in zwei Katastrophen verwickelt worden, die sich zu politischen Miseren ausweiten können. Noch ist die internationale Erregung über den Fall "Andrea Doria", das größte Schiffsunglück der letzten Jahrzehnte, nicht abgeklungen und die Kritik am Verhalten der italienischen Schiffsmannschaft und Führung äußerst peinlich, da trifft Italien durch den Tod der mehr als einhundert Bergmänner in der belgischen Zeche Marcinelle ein neues Unglück.

Suez und wir

Wenn wir in den ersten Nachkriegsjahren mit Ausländern über unsere gegenseitigen Beziehungen diskutierten, war die Verständigung meist recht schwierig, weil (und dieser Grund blieb bei solchen Unterhaltungen gewöhnlich verborgen) die einen – nämlich wir – dabei an die Jahre seit 1945 dachten, die anderen aber an die Ereignisse bis 1945.

Nicht Nazis, sondern Halunken

Das führende Fachorgan der britischen Presse, World’s Press News, veröffentlichte den folgenden Leserbief eines Engländers. Wir drucken ihn hier ab, nicht weil er die einseitige Berichterstattung mancher englischen Zeitungen kritisiert, sondern weil wir ihn als eine besonders erfreuliche Art empfinden, solchen Mißständen aus eigener Initiative zu Leibe zu gehen.

Terror und Einsicht

Eine "echte Kalamität" der sowjetischen historischen Literatur nennt die offizielle Moskauer Zeitschrift "Historische Probleme" die bisher geübte Praktik, die meisten der großen Erfindungen auf ein russisches Konto zu schreiben.

ZEITSPIEGEL

Ein amerikanischer Parteikonvent gleicht dem Lebenszenit einer Eintagsfliege: kurz, glanzvoll und wichtig für die Erhaltung der Art.

Ungeladene Gäste herzlich willkommen

Die Lautsprecher gaben Anweisungen in angemessener Milde: "Die Radfahrerkolonne mit dem Kreuz im Wimpel: würden Sie bitte etwas flüssiger über die Kreuzung fahren!" .

Poujades Schutzherr

Es sind etwa zwei Jahre vergangen, seit ich in der Pariser Salle Wagram, der Stätte so vieler Saalschlachten, die Gründungsversammlung eines Rassemblement National besuchte, in dem manche die Keimzelle eines französischen Nationalsozialismus sehen wollten.

Tito und Pankow

Unser Belgrader Korrespondent schreibt uns: Das soeben geschlossene Kreditabkommen zwischen den Regierungen der Zone und Jugoslawiens hat selbst die engsten politischen Kreise Belgrads vollkommen überrascht.

Dreimal Kaiser

In den letzten Julitagen ging in der mandschurischen Hauptstadt Mukden vor einem chinesischen Militärgerichtshof ein Prozeß gegen 28 japanische "Kriegsverbrecher" zu Ende, die angeklagt waren, sich "aktiv an der Durchführung der Politik der-japanischen Imperialisten beteiligt, Chinas Souveränität verletzt und die Grundsätze des Internationalen Rechts und der Menschlichkeit geschändet zu haben".

Die Pleite des Mittelstandes

Die Sunday Times ein seriöses konservatives Blatt, ging kürzlich so weit, von einem mittelständischen Kampf ums Dasein zu sprechen.

Oase in der Antarktis

Drei im Januar aus der Antarktis zurückgekehrte sowjetische Wissenschaftler bestätigten in einem Bericht der sowjetischen "Akademie der Wissenschaften" eine Entdeckung, die im Jahre 1912 von Australiern gemacht und von dem amerikanischen Admiral Byrd beglaubigt wurde: Es gibt in der Antarktis eine Oase, die 300 Quadratmeilen groß ist, völlig eisfrei; ein von Moosen und Flechten bewachsenes Felsengebiet.

Die Freiheit auf den Kanälen

Der ägyptische Staatspräsident Nasser hat in den letzten Tagen behauptet – und die Russen haben ihn dabei unterstützt –, daß es ungerecht sei, nur den Suezkanal zu internationalisieren.

Die Weiche

Daß eine Weiche falsch gestellt war, bemerkte der Lokomotivführer zuerst. Der Zug ratterte über die Schienenstränge auf ein Nebengleis und ließ den Bahndamm hinter sich.

Der Streit um den Bart des Dichters

Die Unruhe unter den Künstlern der Sowjetzone wächst. Sie fordern von dem Ulbricht-Regime, endlich Ernst zu machen mit der Entstalinisierung und verweisen dabei auf die Offenheit, mit der man in den benachbarten Volksdemokratien Fehler der Vergangenheit kritisiert und nach neuen Wegen für die Zukunft sucht.

Begeistert und ernüchtert im Rembrandt-Jahr

Goethe und Schiller hatten es gut: ihre Gedenkjahre (1949 und 1955) standen ganz in ihrem Zeichen. Die verehrten Jubilare von 1956 dagegen müssen sich die Feierlichkeiten teilen.

Logik ohne Lametta

Anläßlich eines Aufsatzes von Heinrich Scholz in der ZEIT hatten wir den Gelehrten als einen unserer führenden Logistiker vorgestellt.

Schwarze Puppe ohne Namen

Es war heiß auf der Wiese, und das Heu stäubte, als sie es aufluden. Der Mann trug nur seine blaue Arbeitshose, und der Schweiß rann von den breiten Schultern.

Notizen

Zehn "neue" Rubens. Zehn Zeichnungen von Peter Paul Rubens, die seit 1768 in russischem Besitz waren, werden zum erstenmal wieder in Westeuropa gezeigt, Die Leitung der Leningrader Eremitage hat sie als Leihgaben für eine Ausstellung des Meisters im Rubens-Haus in Antwerpen zur Verfügung gestellt, die insgesamt 155 Werke umfaßt.

Das Leichte ist schwer

An den Folgen einer Blinddarmentzündung ist Just Scheu gestorben, und Millionen von Rundfunkhörern haben diese Nachricht mit Trauer aufgenommen, da sie fortan eine Stimme entbehren müssen, die ihnen lieb war.

Ein Buch, von dem man besser wird

Es gibt wohl wenige Menschen, die so viele und so intensive Freuden, ja man kann wohl sagen: Seligkeiten erlebt haben wie Emmy Ball-Hennings.

Unentdeckter Entdecker

Die Bücherregale der Bibliotheken sind voll von Romanen der Entdeckungsgeschichte und der Seefahrt: Magellan, Kolumbus, Vasco da Gama .

Mädchen und Maler aus Flandern

Ein säkularisierter Klosterhof wird von den kalvinistischen Bewohnern aufgegeben, als die Spanier nach Flandern kommen. Da macht sich auf dem verlassenen Anwesen das rechtgläubige Bauerngeschlecht der van Dijks seßhaft.

Romane von hohen Herrschaften

Die ehrwürdigen Ruinen des alten Rom wirken auf die Autoren historischer Romane wie der Musenkuß auf den Dichter. In beiden Fällen bietet der Anlaß keine Garantie für den Erfolg.

Chopin in der Heimat

Ich möchte wissen, warum man immer Rußland meint, wenn man von der russischen Musik spricht, und nie die Musik", äußert Strawinski irgendwo und umreißt damit die Problematik des Begriffes "national" auf musikalischem Gebiet mit Prägnanz.

Bücher in aller Welt

Wie dick eigentlich muß ein Buch sein, um ein Buch zu sein? Wer dies für eine allzu akademische Frage hält, dem sei die Lektüre einer jetzt von der Unesco in Paris herausgegebenen Publikation – R.

Der Kosmos sieht anders aus

Seitdem Giordano Bruno die Vermutung ausgesprochen hatte, die Fixsterne seien andere Sonnen im grenzenlosen Raum und sie gehörten nicht dem Milchstraßensystem, sondern anderen Welten – außergalaktischen Sternsystemen sagen wir heute – an, ist dieser Gedanke nicht mehr untergegangen.

Bayern: Betr.: Ergehung strafbewehrten Auftrags

Während der Regentage ist es unmöglich, sauber über die Tsingtauer Straße in Waldtrudering zu kommen. Selbst bei niedriger Geschwindigkeit peitschen die Autoreifen das Wasser aus den Schlaglöchern meterweit über die Gartenzäune.

Schleswig- Holstein: Auf der Insel Sylt: Ferien unter Düsenlärm

Mit der Hoffnung auf tiefe Wolken ist das so: Gleich am Rande des großen Seebades liegt ein Flugplatz, wo verbündete, aber landesfremde Flieger sich wenig Sorgen machen um die Nerven der erholungsbedürftigen Badegäste und mit dem ohrenzerreißenden Geheul ihrer Düsenmaschinen das, was als Erholungsaufenthalt gedacht war, zu einer Bewährungsprobe machen für Dickfelligkeit und unerschütterlicher Ruhe im Höllenspektakel der Turbinen.

Fliegen lassen

Leer blieb das langstielige Netz, mit dem ein von der Aachener Stadtverwaltung ausgeschickter Taubenfänger die Stadt von den liebestollen und zänkischen Symbolen des Friedens und der Zärtlichkeit säubern sollte.

Bremen: Seemannsdank

In der alten Wasserburg des Gutes Riensberg, die heute mitten in den Wohnvierteln Bremens liegt und seit mehreren Jahren das Focke-Museum beherbergt, befinden sich seit kurzem zwei Gemälde, Porträts eines bekannten Bremers und seiner Frau, aus dem 19.

Auf dem Abstellgleis

Einhundertdreißig englische Kinder und ihre einhundertdreißig deutschen Freunde fuhren Anfang August aus England nach Hamburg.

Berlin: Ein mutiges Wort gegen Spitzel

Im Zuge der Entstalinisierung hat es der erste prominente Journalist der Sowjetzone gewagt, in einer kommunistischen Zeitschrift gegen das Spitzelwesen zu polemisieren! Und zwar fand diesen Mut der Auslandskorrespondent der "Wochenpost", Arno Schmuckler.

Was tun mit der Freizeit?

Einige wenige waren es, die vor sechzig Jahren in Wien den Weg zeigten, der aus rauchgeschwängerten Werkstätten und Fabriken, aus engen Büros und Lehrstuben, aus dumpfen Wohnungen, aus fuselriechenden Wirtshäusern hinausführen sollte in Flur und Feld, in Wald und Berg, in die freie Natur.

Bundesnotenbank ohne Aufsicht?

Das Wirtschaftskabinett der Bundesregierung hat in der vergangenen Woche die Beratungen über das Bundesnotenbankgesetz abgeschlossen.

Verkaufsluxus?

Niemand bezahlt gern mit seinem Geld den Luxus anderer Leute. Dies meinte wohl auch die "Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände", die vor einem übertriebenen "Verkaufsluxus" glaubte warnen zu müssen.

Wieder: Gebühren

Vor zwei Wochen hatten wir an dieser Stelle die üble Gebührenpolitik der Behörden gebrandmarkt, die den allgemein in Erscheinung tretenden Preisauftriebstendenzen noch neue Nahrung gibt.

Diner-Shares

Die Flut der Hauptversammlungen ist zu Ende. Der neue Stil, der sich – von dem großen Unternehmen ausgehend – weit verbreitet hat, bringt leider auch unerfreuliche Begleiterscheinungen mit sich.

Auf einen Blick...

Bei den öffentlichen Sparkassen sind im ersten Halbjahr 1956 die Spareinlagen um 1,07 auf 14,3 Mrd. DM gestiegen. Das sind leider 272 Mill.

Perfektionierte Devisenbewirtschaftung

Als wir nach dem Kriege keinen eigenen Cent, keinen eigenen Penny besaßen, als wir zugleich mehr als je zuvor auf die Einfuhr angewiesen waren, da war es einleuchtend, daß die Devisen durch Regierung und Notenbank kontingentiert, überwacht, bewirtschaftet werden mußten.

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