Carlo Maria Franzero: "Nero." Winkler-Verlag, München. 408 S., 16,80 DM.

Die ehrwürdigen Ruinen des alten Rom wirken auf die Autoren historischer Romane wie der Musenkuß auf den Dichter. In beiden Fällen bietet der Anlaß keine Garantie für den Erfolg. Franzero versucht unter einem erdrückenden Aufwand von historischem Material, das übliche Bild von Nero, dem blutrünstigen Ungeheuer auf dem Cäsarenthron, zu zerstören. Er bietet als Ersatz die unsicher gezeichnete Figur eines psychopathischen Schauspielers, dessen unzusammenhängende und einander widersprechende Charakterzüge nicht einmal mit dem zwielichtigen Glanz des Bösen versehen sind.

"Fürst Pückler reist nach England." Herausgegeben von H. Ch. Mettin. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart. 434 S., 13,60 DM.

Hermann Pückler-Muskau, den meisten nur als Erfinder der Eistorte und als genialer Gartenarchitekt bekannt, brachte mit dieser letzten Dilettanten-Leidenschaft seine Finanzen so in Unordnung, daß er und seine Frau, Lucie Hardenberg, den verzweifelten Entschluß faßten, sich scheiden zu lassen, damit er durch eine reiche Partie wieder zu Geld käme. 1826 reist er nach England, um dort die "Erbin" zu finden. Er sucht fast drei Jahre vergeblich und schreibt in dieser Zeit höchst amüsante und glänzend formulierte Briefe an seine trotz allem geliebte Frau, die so alles über die äußeren Umstände der Reise erfuhr: über das Alltagsleben eines Reisenden vom Stande, über Tischsitten, Rennen, das Leben der Landedelleute und Schauspieler, Hoteldiener und Strafgefangenen im merry old England. Pückler fand allerdings keine zweite Frau und zog mit seiner ersten wieder zusammen. Einen unerwarteten literarischen und damit auch finanziellen Erfolg hatte seine Reise: er veröffentlichte seine Briefe, die selbst in jener brieffreudigen Zeit großen Erfolg hatten.

Carmen Kahn-Wallerstein: "Geist besiegt die Macht." Francke Verlag, Bern. 207 S., 13,80 DM.

Eine Biographie von Frau de Staël; selbst bezaubert von dem geistreichen, leidenschaftlichen Charme, mit dem Germaine de Staël ihre Freunde zu Sklaven machte, verfügt die Autorin über genug psychologische Schulung und historisches Gerechtigkeitsgefühl, um die umstrittene Gegenspielerin Napoleons überzeugend zu porträtieren.

Ann Tizia Leitich: "Der Kaiser mit dem Granatapfel." Hans Dulk Verlag, Hamburg. 340 S., 19,80 DM.