Nach den Erfahrungen, die das InternationaleTennisturnier in Hamburg den deutschen Tennisspielern brachte, wird man sich wohl auch in den zuständigen Gremien des Deutschen Tennisbundes einmal den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie dem katastrophalen Mangel an erstklassigen deutschen Spielern, der so sichtlich in Hamburg zutage trat, abgeholfen werden kann. Vor allem gilt es, den Nachwuchs zu schulen, von dem man diesmal in Hamburg mehrere recht talentierte Vertreter beobachten konnte, die, wenn sie erst gelernt haben, mehr offensiv als defensiv zu spielen, wohl in der Lage sein könnten, uns auch im Tennis wieder einige Geltung zu verschaffen. Aber damit allein ist es natürlich nicht getan. Wir werden aus dem Dilemma nur herauskommen, wenn wir auf die intensive Suche nach jungem Nachwuchs gehen, der gut und systematisch geschult werden muß. Die Stadt Göttingen will sich auf diesem Gebiet besondere Verdienste erwerben. Man hat beschlossen, etwa dreihundert zwölf- bis fünfzehnjährigen Schülern und Schülerinnen kostenlos Tennisunterricht geben zu lassen. Die jungen Meisterschafts-Aspiranten brauchen lediglich "Turnschuhe und guten Willen" mitzubringen, für alles übrige, wie vornehmlich Tennisschläger und Bälle, sorgt das Sportamt der Stadt. Auch wenn sich ein Erfolg nicht auf Anhieb einstellen sollte, sollte man diese Bemühungen nicht unterschätzen, und der Tennisbund sollte alles tun, um auch andere Gemeinden zu ähnlichen Versuchen zu ermuntern.

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Obwohl immer wieder erklärt wird, der Sport habe nichts mit Politik zu tun und jeder politische Streit müsse ihm ferngehalten werden, hat die Suezkanalkrise doch wieder in den Sport eingegriffen. Diese Woche steht Großbritannien im Zeichen des großen Kanalschwimmens, an dem sich auch drei ägyptische Schwimmer, darunter der Vorjahrssieger. Abou Heif, beteiligen wollten. Leider aber hat man sie nun von diesem Wettbewerb ausgeschlossen und zwar ohne die Kanalschwimmer-Vereinigung vorher dazu zu hören. Der Präsident dieses Sportklubs, Baron Freyberg, erklärt dazu in einem Brief an den Herausgeber der "Times", daß diese Maßnahme "die sportliche Einstellung der Briten lächerlich mache." Er hält es für gerechtfertigt, daß die drei ägyptischen Sportler für die gegenwärtige politische Situation am Suezkanal verantwortlich gemacht und durch einen solchen Ausschluß bestraft würden.

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Die Italiener werfen uns eine "beabsichtigte Unfreundlichkeit" vor, die sie darin erblicken, daß nach dem Siege des Argentiniers, Juan Manuel Fangio, im Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring nur die argentinische und nicht auch die italienische Nationalhymne gespielt wurde. Zudem wurde am Siegesmast auch lediglich die Flagge Argentiniens gehißt. Der Mailänder Rennsport-Sachverständige, Giovanni Canestrini, meint, daß die Unterlassungssünde eine "willkürliche Unfairneß" sei, denn "als Sieger, dessen Fahne gehißt und dessen Nationalhymne gespielt werden müßte, ist das Werk anzusehen, das die Wagen zu dem Rennen entsende und nicht der Fahrer". Der Automobilclub von Deutschland (AvD) erklärt demgegenüber, daß es sich bei den Großen Preisen um eine Weltmeisterschaft der Fahrer und nicht der Fabrikmarken handele, und daß es demzufolge nur recht und billig sei, wenn man die Nation des Fahrers und nicht die der Automobilfirma ehre. So wurde übrigens auch in Italien selbst bei dem Targa-Flori-Sieg von Umberto Magliolo (Italien) auf einem deutschen Porsche nur die italienische Hymne gespielt und nicht die deutsche. Und der Sieg des Österreichers Köcher auf einem deutschen Porsche-Spyder in der Klasse der Seriensportwagen am Tag des Großen Preises von Deutschland wurde durch die österreichische Nationalhymne geehrt.

Ganz abgesehen davon, daß überhaupt schon viel zuviel Mißbrauch mit dem Abspielen von Nationalhymnen bei internationalen Sportveranstaltungen getrieben wird, fragen wir uns, was wohl geschehen wird, wenn sich die Ansicht der Italiener durchsetzen würde? Auf fast allen internationalen Reitturnieren gewinnen alle möglichen fremdländischen Reiter ihre Preise auf rein französisch, oder deutsch oder englisch gezogenen Pferden. Folglich müßte auch hier immer nur die Nationalhymne dieser Länder gespielt werden, denn was den Automobilen recht ist, dürfte den Pferden nur billig sein. Um sich in Zukunft bei Automobilrennen nicht mehr kränken zu lassen, müßten sich die Italiener eben endlich wieder eigene tüchtige Automobilrennfahrer zulegen und auf die Hilfe der Ausländer verzichten. W. F. Kleffel