Nicht nur das Herstellen, auch das Inverkehrbringen von Bier, das dem Reinheitsgebot nicht entspricht, ist verboten und strafbar. Die mit der Lebensmittelüberwachung beauftragten Dienststellen sind angewiesen, insbesondere Bier, das unter Verwendung von Zucker und Süßstoff hergestellt wird, weiterhin zu beanstanden. Eine Beschlagnahme beanstandeter Biere ist der gerichtlichen Entscheidung vorzubehalten ... Soweit der Auszug aus der Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern über das vom Bayerischen Obersten Landesgericht am 23. 5. 1956 gefällte Urteil, zu dem nun die Begründung vorliegt.

Blenden wir zurück: Schon seit Jahren stehen die bayerischen Brauereien im Kampf gegen die "Süßbiereindringlinge". Der Bayerische Brauerbund argumentiert, daß auf Hinterwegen das Reinheitsgebot zu Fall gebracht werden sollte. Auch würde den Lieferanten die Verbreitung von Süßbier ein Monopol in einer Zone schaffen, in der die Herstellung verboten sei. Anders die Süßbierverleger. Auf ihrer Würzburger Tagung wetterten sie gegen dieses "weiß-blaue Urteil", das dem Bürger vorschreibe, was er trinken darf und was er zu unterlassen hat. An die Adresse des bayerischen Innenministeriums gerichtet war auch der Hinweis, daß in Bayern der Verkauf von holländischem und dänischem Bier geduldet wird, obwohl bei dessen Bereitung – auch ein Verstoß gegen das Reinheitsgebot – Reis und Mais verwendet werde...

Schon bei der Bekanntgabe des Urteils des bayerischen Landesgerichts hatten Vertreter westdeutscher Brauereien in Frankfurt angekündigt, den Spruch vom Bundesgerichtshof nachprüfen zu lassen. Zugleich wurden gegen bayerische Biere und landwirtschaftliche Erzeugnisse Boykottmaßnahmen erwogen. Wenn man bedenkt, wie gering der Anteil des in Bayern verkauften Süßbieres am Gesamtbierausstoß ist, mutet das Ganze wie ein Streit um des Kaisers Bart an. Doch Bier ist in Bayern ein ganz besonderer Saft, und der Kampf um das Reinheitsgebot steht auf dem Panier des bayerischen Brauerbundes.

Wohlan, eine entscheidende Runde hierfür wurde gewonnen. Ob es die letzte sein wird, hängt allerdings von der Haltung der streitbaren Süßbierverleger ab. t.r.

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