Der Deutsche Otto Kübler schrieb die Biographie des "Kolumbus" Australiens

Die Bücherregale der Bibliotheken sind voll von Romanen der Entdeckungsgeschichte und der Seefahrt: Magellan, Kolumbus, Vasco da Gama ... Keinem, so sollte man meinen, sei es erspart geblieben, daß sein Schicksal zu einem spannenden Stoff verarbeitet wurde.

Und doch gibt es diesen unentdeckten Entdecker. Bekanntgemacht wurde er uns jetzt durch den schwäbischen Theologen

Otto Kübler: "Kolumbus Australiens", Verlag Karl Alber, Freiburg/München, 346 S., 16,80 DM.

Kübler, 1904 in Niederländisch-Indien geboren, übernahm 1936 den Auftrag, in diesem seinem Geburtsland eine evangelische Kirchengemeinschaft aufzubauen. Während der vielen damit verbundenen Reisen beschäftigte er sich mit der Entdeckungs- und Kolonisationsgeschichte der südostasiatischen Inselwelten und Kontinente, sammelte dabei eine unermeßliche Fülle von Material, das ihm in den Kriegswirren jedoch verlorenging. Ein Name aber, dem er dabei begegnet war, blieb in seinem Gedächtnis haften: Pedro Fernández de Quirós. Als Kübler 1943 vom Auswärtigen Amt an das deutsche wissenschaftliche Institut nach Madrid versetzt wurde, entriß er die Dokumente über Quirós dem Staub der seit Jahrhunderten verschlossenen spanischen Archive.

Küblers Fleiß und Geschicklichkeit sind anerkennenswert : Die Übersetzung des mittelalterlichen Spanischen, das Abwägen der unsachlichen Berichte von Quirós und der Mut, in seinem Buch auszusparen, was er in den Dokumenten nicht bestätigt fand. Die Fugen des Mosaiks, das er aus seiner wissenschaftlichen Arbeit gewann, sind in dem Werk kaum zu spüren. Er füllt sie mit vorsichtigen Vermutungen, kann dabei aber nicht ganz der dichterischen Versuchung widerstehen, ein "Reisetagebuch eines Philosophen" einzuflechten, das ja doch wohl erfunden ist. Genau skizziert er die Zeit, in der sein von ihm etwas subjektiv verehrter Held lebte. Über viele Seiten wird exakt beschrieben, wie etwa eine Karavelle des 16. Jahrhunderts aussah und ausgerüstet war; ein großer Teil des Buches schildert die Intrigen der Behörden, die schon damals auch den großen Geistern Kummer machten, und an denen Quirós letztlich scheiterte.

So trifft Kübler genau die Mitte zwischen dichterisch frei gestaltetem Roman und wissenschaftlich gelehrter Abhandlung. Es bedurfte auch keiner besonderen dramatischen Gestaltung, da das Schicksal Quirós dramatisch genug war: Ein Mann, der auszog, den legendären Australkontinent zu entdecken, der ihn nach vergeblichen Versuchen in einer großen Insel gefunden zu haben glaubt, und der doch nur anderen den Weg ebnet, um "seinen" Kontinent zu entdecken. Erstaunlich, aber in dem Buch auch verständlich gemacht, daß dieser große portugiesische Seefahrer in spanischen Diensten bisher unbekannt blieb, bis sich jetzt Kübler das Verdienst erwarb, ihn der Vergessenheit entrissen zu haben. Ortwin Fink