Hamburg

spe, Hamburg

Einige wenige waren es, die vor sechzig Jahren in Wien den Weg zeigten, der aus rauchgeschwängerten Werkstätten und Fabriken, aus engen Büros und Lehrstuben, aus dumpfen Wohnungen, aus fuselriechenden Wirtshäusern hinausführen sollte in Flur und Feld, in Wald und Berg, in die freie Natur. Sie nannten sich Naturfreunde. Werbend und erklärend riefen sie die Arbeitsmenschen auf, sich zusammenzuschließen zu einer Vereinigung, die auch ihnen den Weg freimachen sollte zu den Schönheiten der Welt."

Mit diesen Worten beginnt der Festgruß in der Tubiläumsschrift des Touristenvereins "Die Naturfreunde", der zu seinem dritten Nachkriegs-Kongreß in Hamburg tagte. Die "Naturfreunde" sind eine internationale Kulturbewegung, die, ohne an eine Partei gebunden zu sein, sozialistische Grundsätze vertritt. In Hamburg fanden sich hundert Delegierte aus zwölf Ländern und mehrere tausend Gäste ein. Die Organisation zählt eine Viertelmillion Mitglieder und besitzt rund sechshundert Häuser und Alpenhütten in Europa und Amerika.

Die Hauptfragen, die die Kongreßteilnehmer bewegten, waren die der Arbeitszeitverkürzung und der Freizeitgestaltung der Arbeiterschaft. Durch den erhöhten Lebensanspruch vieler Menschen steht die Naturfreunde-Bewegung an einem Wendepunkt ihrer Entwicklung. Über die – wie man sie jetzt nannte – "primitiven" Postulate der Gründungsjahre ist man weit hinaus. Jetzt heißen die Aufgaben: Kampf um mehr Freizeit und Gestaltung der Freizeit.

Die Gewerkschaften – aber auch viele Unternehmer und manch einsichtige Gremien – setzen sich für die 40-Stunden-Woche ein, weil sie erkannt haben, daß die Stoffwechselstörungen nicht nur bei Direktoren auftreten, sondern in zunehmendem Maße auch bei den Belegschaften festgestellt werden. Das Verlangen nach einer Verkürzung der Arbeitszeit löst, wenn es erfüllt wird, eine neue Frage aus: Was soll in den vermehrten Mußestunden geschehen?

Die "deutschen Naturfreunde" meinen, unsere Großstädte seien nicht der rechte Platz für die Freizeitgestaltung. Ja, sie gehen sogar so weit, daß sie sagen, es bedürfe beinah nicht mehr der biologischen Keimzerstörung durch atomare Kräfte, "um die Menschheit allmählich degenerieren zu lassen".