Kirchentag in Frankfurt: Der Siebente Evangelische Kirchentag, zu dem sich mehrere hunderttausend Teilnehmer aus Deutschland und aus der Ökumene in Frankfurt zusammengefunden hatten, gewann politische Bedeutung allein schon durch die Anwesenheit von 23 000 evangelischen Christen aus der Sowjetzone. Volkskammerpräsident Diekmann und der stellvertretende Ministerpräsident Nuschke, denen in den freimütigen Diskussionen besonders von sowjetzonalen Teilnehmern konkrete Forderungen – wie die nach freien Wahlen – gestellt worden waren, beschwerten sich bei der Kirchentagsleitung darüber, daß man in Frankfurt "die Deutschen aus Ost und West wieder zu sortieren begonnen" habe.

Vor der Suez-Konferenz: Mit Ausnahme von Ägypten und Griechenland haben alle 24 der nach London eingeladenen Mächte ihre Teilnahme auf der Londoner Konferenz zugesagt. Nasser, der angekündigt hatte, er werde am Tage das Konferenzbeginns nach Moskau fahren, diese Reise dann aber verschoben hatte, begründete seine Ablehnung unter anderem damit, daß Ägypten als das direkt betroffene Land nicht vorher befragt worden sei. Gleichzeitig schlug er eine andere Konferenz vor, an der alle 45 Staaten, die den Kanal benutzen, teilnehmen und ein neues Suez-Abkommen auf der Grundlage der Konvention zur Garantie eines freien Schiffsverkehrs von 1888 vorbereifen sollten. Bonn wird auf der Konferenz durch Außenminister Brentano, der eine 20köpfige Delegation führt, vertreten sein. Die Ankündigung Pankows, ebenfalls Vertreter entsenden zu wollen, wurde in London mit einer Ablehnung und dem Hinweis beantwortet, die britische Regierung habe immer den Standpunkt vertreten, daß die sowjetzonalen Behörden "durchaus keine Vertretung" der Bevölkerung der sowjetischen Zone Deutschlands darstellten.

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Schukow: Große Armeen: Während in der westlichen Welt seit Monaten erregt die Frage der Umrüstung von konventionellen auf nukleare Waffen diskutiert wird, schrieb jetzt der sowjetische Verteidigungsminister Schukow in einem Brief an den Militärexperten der "New York Times", daß man auch in künftigen Kriegen große Armeen und riesige Mengen herkömmlicher Waffen benötigen werde. Die so stark propagierte sowjetische Truppenverminderung auf 1 840 000 Mann begründete Schukow mit Friedensliebe und wirtschaftlichen Erwägungen. Andere Erklärungen wies er als "feindselig und unsachlich" zurück.

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Tito und die Sowjetzone: Große Überraschung löste im Westen der Abschluß eines Kreditabkommens zwischen den Regierungen der Sowjetunion und der Zone mit der jugoslawischen Regierung aus. Das Abkommen, in dem sich Moskau und Pankow verpflichten, bei der Finanzierung und technischen Ausrüstung eines großen Aluminiumwerkes in Jugoslawien mitzuhelfen, wird – ebenso wie der kurz hinterher erfolgte Austausch von Handelskammervertretungen – als ein weiterer Schritt von der De-facto zur De-jure-Anerkennung der Ostberliner Regierung durch Jugoslawien gewertet.

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