Vor zwei Wochen hatten wir an dieser Stelle die üble Gebührenpolitik der Behörden gebrandmarkt, die den allgemein in Erscheinung tretenden Preisauftriebstendenzen noch neue Nahrung gibt. Leider müssen wir die vielen Leser enttäuschen, die in ihren Zuschriften der Hoffnung Ausdruck gaben, daß unser Vorstoß dazu beitragen würde, den "ungebührlichen Gebühren" Einhalt zu gebieten ...

Heute haben wir einen neuen "Gebührenfall" an den Pranger zu stellen, der ausgerechnet die Verwaltung der an sich sonst so aufgeschlossenen Hansestadt Hamburg betrifft: Seit dem letzten Montag müssen die Hamburger Hausfrauen erheblich tiefer in die Geldtasche greifen, wenn sie in den Fleischereien ihre Fleischrechnung begleichen wollen. Anlaß dieser plötzlichen Preiserhöhung ist eine neue Gebührenordnung, die die Gesundheitsbehörde der Hansestadt erlassen hat und die die Gebühren für die Fleischbeschau spürbar heraufsetzt. Hamburgs Schlachter haben dank dieser Gebührenveränderung eine jährliche Mehrbelastung von rund einer halben Million DM, die das Fleischergewerbe verständlicherweise nicht übernehmen kann. Es scheint allerdings so, als ob die Fleischermeister mit der Heraufsetzung ihrer Preise um fünf bis zehn Pfennig je Pfund bei dieser Gelegenheit gleich noch einige künftige Gebührenerhöhungen einbeziehen wollen, da sich nämlich leicht ausrechnen läßt, daß die heraufgesetzten Gebühren für die Fleischbeschau beim Rindfleisch nur eine Verteuerung von 0,2 Pfennig und beim Schweinefleisch von 0,4 Pfennig je Pfund rechtfertigen würden.

Zur Ehre der Fleischermeister sei aber festgehalten, daß sie den Hamburger Hausfrauen höchst ungern die neuen – übrigens aus "Saisongründen" noch zusätzlich anziehenden – Fleischpreise zumuten. Sie überlegen, ob sie nicht zum Lübecker Schlachthof ausweichen können, wo die Fleischbeschau mit ihren Gebühren wesentlich weniger "ungebührlich" ist. Ob es dazu kommt und ob dann die höheren Transportkosten durch die geringeren Gebühren ausgeglichen werden, bleibt allerdings mehr als fraglich. Fest steht nur, daß bis jetzt die Hausfrauen die Dummen sind ... ww.