Die Namen der italienischen Maler haben bei uns einen guten Klang, seit sie in mehreren Ausstellungen, nicht zuletzt in der "Documenta" mit ihrer weitausholenden Repräsentanz italienischer Malerei, dem deutschen Publikum bekanntgemacht wurden. Die neueste Übersicht, die unter dem Protektorat der Außenminister von Italien und der Bundesrepublik vom Leverkusener Museum in Schloß Morsbroich (bis 9. September) veranstaltet wird, ist von Dr. Schweicher umfangreicher und mit dem entschiedenen Akzent auf dem Heute entworfen worden.

Von den älteren Künstlern Italiens, die noch vom Futurismus und der "metaphysischen Malerei" direkt abstammen, sind nur wenige unter den dreißig Malern, etwa Giorgio Morandi, Enrico Prampolini, Mario Sironi und Mario Mafai.

Man könnte auch noch Franco Gentilini zu den Älteren rechnen, weil er in seinen wie auf Rauhputz gemalten Bildern in naiver Weise die Erinnerung an den Kubismus wachruft. Diese figurativen Maler sind jedoch Ausnahmen in einem Ensemble, das sich mit seinen vielfältigen Erscheinungen nichtfigurativer Malerei vom Tachismus bis zur geometrischen Konstruktion der internationalen Formensprache heutiger Malerei – freilich mit italienischem Akzent – bedient. Das spezifisch Italienische dieser Abstraktion ist allerdings nicht in allen Fällen auf den ersten Blick zu erkennen. – Folgt man beispielsweise der Übereinkunft, daß die Klarheit und Dinglichkeit der Formen, ihre Tektonik und maßvolle Ordnung zu den bleibenden Elementen der Kunst Italiens gehören, so wird man diese Grundsätze in der vehementen malerischen Dynamik von Vedova, Moreni, Corpora, Morlotti, Vacchi, Meloni und Santomaso nicht bestätigt finden. Diese Maler haben in ihrem oft furiosen "abstrakten Expressionismus" viel mit unserer eigenen gegenstandslosen Kunst gemein, obwohl sie sich – mit guten Gründen – auf den national-italienischen Futurismus als Vorstufe berufen können. Genauso können selbstverständlich die Konstrukteure wie Soldati, der uns qualitätvoller vorkommt als der häufiger genannte, aber hier fehlende Magnelli, eine italienische Ableitung beanspruchen.

Zwischen solchen extremen Positionen trifft man noch eine größere Anzahl von Malern, die eine harmonische Ordnung erstreben, in der das geometrische Grundmuster der Konstrukteure von freien Erfindungen überspielt wird; ein goldener Mittelweg also, den man bei Birolli, Brunori, Dorazzio sehr deutlich beobachten kann. Afro, Ajmone, Pirandello, Perilli und Turcato gehören dazu, obwohl sie weniger kultivieren als "ausdrücken" wollen, so daß sich teilweise ihre Figurationen wieder – gegenständlicher Bedeutung nähern. Als singulärer Künstlertyp sei Burri zum Schluß erwähnt. Er ist mit seinen Bildern, in denen statt des Farbauftrags gefundene Dinge, vor allem grobes Sackleinen mit dem zufälligen Linienspiel gelockerter oder lose angehefteter Fäden malerisch und plastisch eingesetzt werden, einer der originellsten in einer Ausstellung, die an imaginativen Persönlichkeiten nicht arm ist. Eduard Trier