Gedanken anläßlich zweier neuer Bücher von Klaus und Monika Mann

Von Paul Hühnerfeld

Der große Vater – Thomas – war Nobelpreisträger, der Onkel – Heinrich – ein Schriftsteller von hohem Rang, Onkel Viktor, – der als einziger der Manns während des "Dritten Reiches" in Deutschland blieb und die ganzen zwölf Jahre lang in München als Chef der Bayerischen Handelsbank wirkte – Onkel Viktor also betätigte sich kurz vor seinem Tode 1949 ebenfalls noch schriftstellerisch, als er seine Familienchronik "Wir waren fünf" herausgab. Lediglich die beiden Schwestern Thomas Manns – Julie, die jüngere, und Carla, die ältere, – blieben unbekannt, obwohl beide freiwillig aus dem Leben schieden, allein schon ein Faktum, an dem eine neugierige Umwelt oft Anteil nehmen will, wenn es sich um Dichterschwestern handelt.

Aber seine Kinder – die Töchter und Söhne des "Zauberers" – verschrieben sich gleich zu viert der Literatur. Welch’ ein Mut für Kinder dieses Mannes, die sich schon vorher ausrechnen konnten, daß sie so gut wie der Vater wohl nie zu schreiben lernen würden, es müßte denn ein Wunder geschehen (dieses Wunder hat sich natürlich nicht ereignet) – welch’ eine böswillige Verleumdung aber auch, wenn hie und da ein Kritiker glaubt feststellen zu müssen, die Bücher der Kinder Mann wären nicht gedruckt worden, wenn der Vater nicht Thomas Mann gewesen wäre. Dies sei hier gleich vorweggenommen: Erika, Klaus, Golo und Monika sind Schriftsteller von beachtlichem Können – sie hätten ihren literarischen Weg ohne den Vater zwar gewiß wesentlich anders, aber auch gemacht.

7 Schriftsteller in zwei Generationen

So erscheint diese Lübecker Patrizierfamilie als ein einmaliges Phänomen: in zwei Generationen bringt sie sieben Schriftsteller hervor – davon zwei von Weltrang. Eine Parallele suchen wir in der deutschen Literatur vergebens: noch nicht einmal die Romantik kam über schriftstellernde Brüderpaare oder zwei bis drei Dichter einer Familie in verschiedenen Generationen hinaus. Was dem Zeitalter der geistreichen Salons, in dem Literatur Lebenselement aller Gebildeten war (und die Ungebildeten hatten damals noch keinen Einfluß auf den Zeitgeist), verwehrt blieb, das wurde Ereignis in den Jahren, da das Bürgertum die Zeit prägte, eine Klasse also, der man gemeinhin entweder Banausentum oder ein wagnerianisch-n rotisches Verhältnis zur Kunst nachsagt. Über die Bedeutung der Schriftsteller Thomas und Heinrich Mann für die deutsche Literatur herrscht Klarheit – wie aber ist das Phänomen dieser schreibend-existierenden bürgerlichen Familie zu deuten?

Auskunft darüber können uns die Werke der Familie geben. Hier sind zwei anzuzeigen, von denen das erste allerdings in Westdeutschland nicht zu kaufen sein wird. Es ist: