Die Goldgewinnung der westlichen Welt ist 1955 wieder wesentlich gestiegen. Wieviel die Sowjetunion fördert, ist nicht bekannt; ihre Goldabgaben an den Westen sind nicht erheblich und haben jetzt ziemlich gleichmäßig einen Wert von 75 Millionen Dollar im Jahr. Vom Währungsgold der Welt liegen noch immer 57 v. H. in den USA, aber 1948 waren es noch 70 v. H. Indessen haben die westeuropäischen Länder ihre Währungsreserven erhöhen können, während sie im Sterlinggebiet kleiner geworden sind. Die Goldhortung hat nach der Statistik 1955 wieder etwas zugenommen, doch ging von diesem Gold ein großer Teil nach dem Mittleren und Fernen Osten, wo es zum Teil als Zahlungsmittel verwendet wird. Die Nettonachfrage nach Gold in Westeuropa ist gefallen. Hier könnte man im ganzen gesehen sogar von einer Enthortung sprechen. Die Goldhorter haben in letzter Zeit, besonders in Frankreich, schlechte Geschäfte gemacht; Anfang 1949 haben sie 750 000 Francs für ein Kilo zahlen müssen und seit 1953 steht der Preis etwas unter 450 000 Francs.

Diese Tendenzen werden jetzt durch genaue Zahlen in dem kürzlich erschienenen Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich genau bewiesen. Die C-oldproduktion der westlichen Welt in 1955 betrug 27,5 Mill. Unzen Feingold gegen 26,1 Mill. und 24,7 Mill. in den Jahren vorher. Haupterzeuger ist nach wie vor die Südafrikanische Union, die 1955 mit 14,6 Mill. Unzen einen Förderrekord erreicht hat (13,2 und 11,9 Mill. Unzen in den beiden Jahren vorher). Man hat in Südafrika die Gruben mechanisiert, die Produktionsverfahren spezialisiert, man hat billige Arbeitskräfte und man hat neue Gruben in Betrieb genommen; in jüngster Zeit ist dazu die Verbindung von Goldgewinnung und Uranabbau bemerkenswert.

Die Gewinne aus der Uranförderung in den südafrikanischen Gruben stiegen 1955 auf etwas mehr als 17 Mill. südafrikanische Pfund und damit auf nahezu zwei Fünftel der gesamten durch die Golderzeugung anfallenden Betriebsgewinne. Obwohl die Grundlage der Berechnung der Urangewinne nicht bekannt ist, hat sich die Uranförderung auf die gesamte Gewinnlage der Goldgruben zweifellos günstig ausgewirkt. Nach neuesten Unterlagen jedoch wurde der Abbau marginaler Golderze bislang von der Uranförderung verhältnismäßig wenig beeinflußt, da das seither gewonnene Uran hauptsächlich aus Erzrückständen gewonnen wurde, die, von der Goldförderung her gesehen, durchaus noch innerhalb der Rentabilitätsgrenzen lagen.

In Kanada, das mit 4,5 Mill. Unzen Jahresförderung 1955 in weitem Abstand das zweitgrößte Goldland der westlichen Welt ist, hat man einen Nachkriegsrekord erreicht, der allerdings hier noch 15 v. H. unter dem Höchststand von 1941 liegt. Nur sind hier die Kosten sehr gestiegen, und das Notstandsprogramm zur Subventionierung des Goldbergbaues bleibt zunächst bis Ende 1958 in Kraft. An diesen Großerzeugern gemessen nehmen sich die Leistungen der anderen Produzenten wenig bedeutend aus: Vereinigte Staaten 1,9 Mill., Australien 1,0 Mill., Britisch Westafrika 0,7, Südrhodesien 0,5 Mill. Unzen.

Bei einem Preis von 35 Dollar je Unze stellt die ganze 1955 geförderte Goldmenge einen Wert von 965 Mill. Dollar dar. Was ist nun mit diesem "goldnen Überfluß" geschehen? Zum großen Teil (630 Mill.) ist er, wie früher, in die Stahlkammern der Zentralbanken und anderer offizieller Institutionen gewandert; etwa ein Fünftel hat man in der Industrie, im Kunsthandwerk usw. gebraucht und ein weiteres knappes Fünftel ist "verschwunden", d. h. gehortet oder als Zahlungsmittel im Verkehr mit dem Nahen und Fernen Osten verwendet worden.

Die Goldbestände der Zentralbanken, Regierungen und größerer Institutionen haben Ende 1955 in der Summe einen Wert von 37 980 Mill. US-Dollar erreicht, wovon der wahre "Löwenanteil" von 21 753 auf die Vereinigten Staaten entfällt und sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert hat. An zweiter Stelle steht das Vereinigte Königreich mit einem knappen Zehntel, nämlich 2050 Mill. Den drittgrößten Vorrat nennt die Schweiz mit 1597 (+ 84) Mill. Dollar. Die Bundesrepublik gibt Ende 1955 die Goldbestände mit 920 Mill. Dollar (+ 294) an, die Bank von Frankreich mit 861 (+ 285), Belgien mit 929 (+151), die Niederlande mit 865 (+69) Mill. Dollar an. Bezeichnend ist auch die Zunahme des Goldbestandes der Europäischen Zahlungsunion auf 248 (+ 95) Mill.; hierin kommt zum Ausdruck, daß die Defizite weit mehr in Gold als in Dollar abgerechnet wurden. Die Bestände des Internationalen Währungsfonds sind auf 1808 Mill. (+ 68) gestiegen, vor allem weil Länder, die früher beim Fonds Kredite aufgenommen hatten, per Saldo in Landeswährung zurückgekauft haben. J. B.