Pt., München

In München wird der Traum von einem F.nglish Weekend anscheinend besonders intensiv geträumt. Es hat sich hier eine Gesellschaft „Freies Wochenende“ gegründet. Ihre Mitglieder sind Gelehrte, Kabinettsmitglieder und Journalisten, ihr Vorsitzender ist Professor Marchionini, der Direktor der Dermatologischen Universitätsklinik, ihr Ziel: die Reinigung des Sonnabends und des Sonntags von allen Massenveranstaltungen, Kongressen und politischen Versammlungen, von der Reinigung ausgenommen: die religiösen und sportlichen Veranstaltungen. In diesem Sinne ist die Gesellschaft, für deren Ziele bereits der bayerische Arbeitsminister gewonnen wurde, an Regierung und Parlament herangetreten, sie sollten eine entsprechende Änderung des bayerischen Feiertagsgesetzes vornehmen. Gewerkschaften und Betriebe werden aufgefordert, mit der Parole „Freie“ Wochenende“ der sonnabend-sonntäglichen Jagd nach Überstunden ein Ende zu bereiten.

In der Tat, ein Ziel aufs innigste zu wünschen, aber auch schwer zu verwirklichen, wenn man bedenkt, was an Voraussetzungen noch fehlt. Denn natürlich jagt kaum einer nach Überstunden, weil ihm Überstunden so viel Spaß machen, sondern weil er Geld haben will, Geld für ein Kleid, ein Radio, ein Auto, eine eigene Wohnung, für irgend etwas jedenfalls, das ihm wichtiger dünkt, als ein englisches Wochenende.

Die Münchener Wochenendgesellschaft wird sich wohl in erster Linie damit befassen müssen, Voraussetzungen zu schaffen, daß die Menschen zwei vollen Tagen des Nichtstuns überhaupt gewachsen sein werden. Dazu gehört zum Beispiel, sie dafür zu gewinnen, daß keine Überstunden gemacht zu werden brauchen, weil jeder, mit dem, was er verdient, zufrieden ist und sich dazu entschließt, Muße dem materiellen Besitz vorzuziehen.