Unsere Reihe setzen wir heute mit einem Porträt über Ernst Wilhelm Lotz fort, einem der Größten des beginnenden Expressionismus. Als Autor dieser kleinen Biographie können wir Friedrich Bischoff vorstellen, unseren Lesern als Lyriker und Romancier sicher ebenso bekannt wie als Intendant des Südwestfunks in Baden-Baden.

Zwischen dem Wasgenwald und den Argonnen, von Saarlouis hinüber zur Somme, hüben wie drüben, verschollene, zerbröckelte Gräber: die Jugend einer zu neuem Aufbruch sich bereitenden Welt stürzte im Sommer 1914 in ihren Untergang. Was sie bei allem Enthusiasmus uns in apokalyptischen Visionen, in Versen, wie sie bis dahin noch niemals gesungen worden waren, vorausahnten, hatte sie in den ersten Massenschlachten zerstampft und dahingerafft. Der zarte französische Dichter Charles Péguy, brüderlich dem jungen Ernst Stadler aus Straßburg verbunden, fiel wie dieser bereits im September dieses mörderischen Jahres.

Schon 1912 oder 1913, in dem Jahre, da Strawinskijs "Le sacre du printemps" zwischen Begeisterung und Pfiffen seine Uraufführung in Paris erlebte, und in München "Der Blaue Reiter" Franz Marcs erschien, hatte in Berlin der später von Umnachtung umfangene junge Jakob van Hoddis den neuen Ton angegeben:

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,

In allen Lüften hallt es wie Geschrei.

Dachdecker stürzen ab und geh’n entzwei.

Und an den Küsten – sagt man – steigt die Flut.