Wenn die Meteorologen schönes Wetter voraussagen, regnet es bestimmt. Wenn die Bundesregierung eine Kredithilfe in Szene setzt, kommt kein warmer Regen. Diese Erfahrung hat der deutsche Mittelstand nach dem im August 1953 gestarteten Produktivitätsprogramm für Mittel- und Kleinbetriebe gemacht. Vorwiegend aus USA-Mitteln sollte geholfen werden. Wie das in der Praxis zuweilen aussieht, schildert das Präsidialmitglied der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, Franz Effer, in den "Textil-Mitteilungen".

Ein optimistischer Kaufmann in Württemberg hatte den Mut, einen solchen Produktivitätskredit zu beantragen. Das war vor 32 Monaten. Seitdem überstand er acht Betriebsprüfungen mit "Gut" bis "Sehr gut", erhielt eine papierne Staatsbürgschaft, aber bis heute noch nicht den Kredit. Die Daten dieses atemberaubenden Tempos der Mittelstandshilfe der Bundesregierung sind in diesem Falle folgende: Am 13. Januar 1954 positives Sachverständigengutachten der mit der Durchführung beauftragten "Betriebswirtschaftlichen Beratungsstelle für den Einzelhandel". Es folgte eine Betriebsbesichtigung. Juni 1954: Überprüfung des Betriebs durch Stadtverwaltung, Landratsamt und Industrie- und Handelskammer. Juli 1954: Persönliche Inspektion des Betriebs durch den Leiter des Instituts zur Förderung der Produktivität beim RKW, Frankfurt. August 1954: Eine Kommission des Regierungspräsidenten untersucht die örtlichen Verhältnisse. September 1954: Durchleuchtung des Betriebs durch Wirtschaftsprüfer des Regierungspräsidenten. Oktober 1954: Technischer Prüfer des Regierungspräsidenten im Betrieb. Februar 1955: Siebente Betriebsbesichtigung durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Mai 1955: Betriebsbesichtigung des Leiters der US-Operation Mission to Germany aus Godesberg.

Dann ist offenbar der Bürokratie der Atem ausgegangen. Der Kredit ist heute noch nicht da. r.