Bremen wird bald wieder eine Baumwollterminbörse haben. In der zweiten Oktoberhälfte soll der neue Kontrakt eingeführt werden. Damit wird zweifellos ein großer Schritt vorangetan, denn nach etwa zwanzigjähriger Unterbrechung wird wieder die Möglichkeit geschaffen, in Deutschland und in deutscher Währung Terminkontrakte für Preisabsicherung des effektiven Baumwollgeschäftes abzuschließen. Bisher war dies lediglich an den Börsen in New York, New Orleans und Liverpool möglich.

Das Bedürfnis nach einer derartigen Absicherung ist ingesichts der Preisschwankungen groß. Und ein Beweis hierfür mögen auch die über 2 Mill. Ballen Baumwolle sein, die von Ende 1952 bis heute an der New Yorker Baumwollbörse von deutscher Seite "gehedgt" worden sind. So glaubt man auch bei der Bremer Baumwollbörse, mit der Errichtung der Terminbörse eine echte Lücke auszufüllen, zumal der neue Kontrakt eine wesentliche verbreiterte Grundlage erhalten hat. Die hauptsächlichsten Unterschiede gegenüber dem gegenwärtigen New Yorker und Liverpooler, und auch zu dem alten Bremer Kontrakt bestehen darin, daß er zwar noch auf dem nordamerikanischen Baumwolltyp aufbaut, darüber hinaus aber die Möglichkeit bietet, verschiedene andere Baumwollprovenienzen gleicher Qualität anzudienen.

Man glaubt in Bremen, daß der Kontrakt auch für die Nachbarländer attraktiv ist, wo man zwar in letzter Zeit hier und dort ebenfalls mit dem Gedanken gespielt hatte, eine Terminbörse zu errichten. Aber dabei ist es geblieben, während man an der Weser den Weg von der ersten initiative bis zur Errichtung der Börse konsequent zu Ende gegangen ist – trotz aller Risiken, die nun einmal nicht in toto abschätzbar sind. Und noch eines erhofft man sich: Die günstige Wechselwirkung von Termin- und Effektivgeschäft. Zweifellos kann Bremen gerade als Baumwollmarkt an eine alte Tradition anknüpfen. Insgesamt rund 80 Mill. Ballen waren allein bis 1939 über die Hansestadt an der Weser eingeführt worden. Der Transithandel nach dem Osten, dem Balkan (der heute völlig ausgefallen ist), nach Österreich und der Schweiz spielte eine bedeutende Rolle. Auch der skandinavische Raum wurde weitgehend über den Bremer Markt "bedient". In der Blütezeit der Bremer Baumwollbörse im Geschäftsjahr 1927/28 stellte sich der Umsatz auf fast 1,1 Mill. Ballen. 1914 wurde erstmals der Terminhandel in der Hansestadt eingeführt, doch der 1. Weltkrieg verursachte eine baldige Schließung. 1925 erfolgte dann ein neuer Start, bis mit Ausbruch des 2. Weltkrieges erneut die Tätigkeit eingestellt werden mußte. Jetzt soll ein neuer Beginn erfolgen. Nun: Dreimal war von jeher Bremer Recht. W. S.

Von der Gebhard & Co. AG Seidenwebereien, Wuppertal-Vohwinkel, wird im Zusammenhang mit der HV festgestellt, daß auch nur bei einer geringen Senkung der Importpreise eine Marktbeunruhigung auf dem Textilgebiet eintreten könnte, die bei einem Industriezweig, bei dem eine Uberkonjunktur in keiner Weise vorliegt, "volkswirtschaftlich unerwünscht" sein muß. Die Gesellschaft, die für 1955 ihre Dividende auf 5 (4) v. H. erhöht hat, befaßt sich intensiv mit den Geweben aus neuen vollsynthetischen Fasern und deren Mischungen (Perlon, Diolen, Trevira, Dralon und u. a. Pan).