Bei der Eröffnung der Norddeutschen Lebensmittel-Fachausstellung in Hamburg, die alle zwei Jahre stattfindet, und zwar in jährlichem Wechsel mit der Kölner ANUGA, wurde von dem 1. Vorsitzenden des Verbandes des Lebensmittel-Einzelhandels e. V., Hamburg, Herbert Zander, in lobenswerter Offenheit das Problem "Ausstellungswesen" angeschnitten. Lobenswert deshalb, weil es auch bei der jetzt in Hamburg stattfindenden "Lefa", wie die Fachausstellung kurz genannt wird, während ihrer Vorbereitung zu einigen unerfreulichen Vorkommnissen gekommen ist. Wo sie zu suchen sind, läßt sich aus den Worten Zanders unschwer entnehmen: "Wir überlassen es jedem Unternehmer selbst, an unserer Ausstellung teilzunehmen. Wir wünschen einen fairen, freien Wettbewerb und keine monopolistischen Tendenzen!"

Jede Ausstellung ist für die Veranstalter mit einem Risiko verbunden. Es wird erst beseitigt, wenn neben den Standmieten auch genügend Eintrittsgelder kassiert werden können. Gerade der letzte Punkt spielt bei reinen Fachmessen oft eine heikle Rolle, und darum hat man der Lefa zwei Gesichter gegeben. Für den Lebensmitteleinzelhandel ist sie eine reine Fachmesse mit vielen nützlichen Anregungen; die Masse der übrigen Besucher findet den üblichen Ausstellungsbetrieb (mit vielen kostenlosen Proben an zahlreichen Ständen!). Für Unterhaltung sorgen Modenschauen. Für die Kinder wurde eine kleine Ladenstraße aufgebaut, so daß auch sie auf ihre Kosten kommen. Die Interessen beider Besuchergruppen treffen sich schließlich in den Sonderschauen "Vorgepackt und abgepackt" und "Woanders ißt man anders".

Die Regie liegt also in Händen erfahrener Routiniers, die es verstehen, die Ausstellung publikumsattraktiv auszugestalten und durchzuführen. Von der Besucherzahl her werden die Messefirmen zweifellos auf ihre Kosten kommen; ob es für sie selber auch ein Kassenerfolg wird, hängt von ihrem Angebot ab, womit dann auch der Beweis für die Existenzberechtigung dieser Ausstellung erbracht wäre. Nach den Worten Zanders, und darin geben wir ihm völlig recht, entscheidet darüber nur der Erfolg oder Mißerfolg. Für viele Fachmessen, die überall im Bundesgebiet veranstaltet werden, ist kein echter Bedarf vorhanden. Sie haben nur den Zweck, den Veranstaltern (und den Verbänden) die Kassen zu füllen. Die ausstellenden (schwer zahlenden) Firmen sind mit Recht über diese Auswüchse verstimmt, an denen sie sich infolge eines "sanften" Drucks beteiligen zu müssen glauben... Deshalb ist immer erneut zu fordern: Rationalisierung nicht nur in den Betrieben, sondern auch im Ausstellungswesen! K.W.