Die Lastenausgleichsbank, oder wie sie mit ihrem Untertitel auch heißt, die "Bank für Vertriebene und Geschädigte" hat nach ihrem Errichtungsgesetz ihren Sitz in Bad Godesberg. Damit ist schon rein äußerlich zu erkennen gegeben, daß das Institut näher an Regierung und Parlament in Bonn als an den großen Bankplatz Frankfurt, an dem die beiden anderen großen Bundesbanken, die Bank deutscher Länder und die Kreditanstalt für Wiederaufbau domizilieren, gerückt ist. Das Institut ist eine reine Hausbank der Regierung und des Ausgleichsfonds mit einer im Gesetz genau festgelegten, eng begrenzten Aufgabe. Sie hat die wirtschaftliche Wiedereingliederung und Förderung der durch den Krieg und seine Folgen betroffenen Personen, insbesondere Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsbeschädigte, zu betreiben.

Der Geschäftszweck des Instituts ist also ein rein politischer. Die Verwaltung bedient sich der Bank dort, wo sich ihre eigenen Arbeitsmethoden als unzweckmäßig und den wirtschaftlichen Erfordernissen der Geschädigtenwirtschaft als nicht adäquat erweisen. Das Institut ist demnach eine echte Bank, die nach kaufmännischen Grundsätzen betrieben wird. Es gilt dies vor allem vom Aktivageschäft, insbesondere von der Gewährung langfristiger Kredite und von der Verwaltung durchlaufender Kredite. Diese beiden Posten umfassen allein 97 v. H. der Bilanzsumme von 4,12 Mrd. DM Ende 1955, wobei wiederum nur 24 v. H. oder rund 1 Mrd. DM auf die Kreditgewährung fallen, während die durchlaufenden Beträge 73 v. H. der Bilanz oder rd. 3 Mrd. DM ausmachen. Von dem verbleibenden Rest von 3 v. H. oder etwa 120 Mill. DM fällt wiederum der größte Posten, d. h. 86 Mill. DM auf Debitoren, die zugunsten von Geschädigten zweckgebunden sind. Die eigentliche Manövriermasse des Instituts ist im Verhältnis zum Gesamtgeschäft recht klein. Die Bank ist also keineswegs der zentrale Liquiditätshalter des gesamten Lastenausgleichs. Es sind dies Funktionen, die vielmehr anderen Stellen zufallen, so der BdL mit dem von ihr dem Ausgleichsfonds eingeräumten Kreditplafonds von 200 Mill. DM und schließlich auch dem Fiskus selbst, der letzten Endes hinter den gesamten Engagements der Lastenausgleichsbank steht und daher z. B. auch die Verpflichtung zur Kurspflege der Lastenausgleichsanleihe gegenüber der Bank übernommen hat. Aufgaben bei der Mittelbereitstellung für den Lastenausgleich fallen dem Institut aber auch zu. So nimmt es am Geldmarkt Mittel auf, die jedoch mit 58 Mill. DM Ende 1955 nur wenig mehr als ein Prozent der Bilanzsumme ausmachen. Weiter unterhält es Einlagen. Stärker ins Gewicht fällt die Beschaffung von Anleihemitteln. Es sind dies insgesamt 450 Mill. DM per Ende 1955. Weiterhin sind in diesem Zusammenhang über 350 Mill. DM steuerbegünstigte Darlehen, die die Bank aufgenommen hat, zu nennen, über diese Gelder verfügt das Institut nicht selbst, sie leitet sie vielmehr geschlossen an den Lastenausgleichsfonds weiter. Der entsprechende Betrag ist in den obengenannten Krediten von einer Milliarde enthalten, so daß die unter eigenem Obligo der Bank an Kreditinstitute für Geschädigtenbetriebe bestimmten weitergeleiteten langfristigen Mittel nicht ganz 200 Mill. DM ausmachen. Sie finden ihren Gegenposten vor allem beim vom Bund, Ländern und KfW aufgenommenen langfristigen Darlehen. Zu erwähnen sind schließlich noch die Verbindlichkeiten aus Bürgschaften und Gewährleistungsverträgen, die rd. 50 Mill. DM ausmachen.

Das Institut ist zunächst eine Verwaltungsbank. In zweiter Linie ist sie ein Finanzierungsmittel – wenigstens vorerst noch – das zu den Mitteln der öffentlichen Hand zugunsten des Ausgleichsfonds Beträge auf dem Kapitalmarkt in einem sehr großen Umfange beschafft Das ist bei den riesigen Summen, die hier im Spiele stehen, und der Unergiebigkeit des Kapitalmarktes im Augenblick auch nicht möglich. Eine andere Entwicklung wäre für die vertriebenenwirtschaft sicherlich erfreulicher. Die Erfahrungen der Wiederaufbaubank zeigen, daß rechtzeitig und ausreichend gewährte Eingliederungskredite in der Regel ihr Ziel erreichen. Das wird durch Ausführungen im Geschäftsbericht der Lastenausgleichsbank bestätigt, nach denen die Bank aus übernommenen Bürgschaften für Betriebsmittelkredite, sowie im Rahmen der den Hausbanken zugesagten Entlastungen bei Investitionskredi’ im Geschäftsjahr 1955 mit einem Betrag von 1 bis 2 Mill. DM in Anspruch genommen wurde. Seit der Gründung der Bank im Jahre 1950 waren es insgesamt 3,4 Mill. DM. (Der sich zeigende Anstieg ist technisch, und zwar dur-h die schnellere Abwicklung der Fälle bedingt.) Der Zugang an notleiden den Krediten blieb konstant. Die entsprechenden Beträge sind im übrigen zu einem guten Teil durch Hauptentschädigungssummen gedeckt. Die Verluste konnten über Rückstellungen und Wertberichtigungen abgeschrieben werden, die entsprechend den erkennbaren Risiken gebildet wurden. Das ist auch nicht anders möglich, denn schließlich handelt es sich bei der Lastenausgleichsbank um ein Institut, das aus politischen Erwägungen heraus verpflichtet ist, vor allem schlechte Risiken zu übernehmen, Trotzdem konnte die Bank im vergangenen Jahr immerhin einen Reingewinn von rd. 1 Mill. DM bei einem Stammkapital von 35 Mill. DM erwirtschaften. W. R.