Von Walter stahl

Der Verfasser dieses Artikels hat kürzlich das Hauptquartier des Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte in Europa in Heidelberg und im Anschluß daran mehrere Garnisonstädte in Süddeutschland besucht. In zahlreichen Gesprächen mit amerikanischen Offizieren und Mannschaften sowie mit der deutschen Bevölkerung und deutschen Behördenvertretern konnte er sich über das Verhältnis zwischen den G.I’s und der Einwohnerschaft der Garnisonstädte eingehend unterrichten.

Der am vergangenen Freitag abgeschlossene Würzburger Militärgerichtsprozeß, in dem farbige amerikanische Soldaten zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt wurden, hat noch stärker als andere Ereignisse die Aufmerksamkeit auf die schweren Zwischenfälle gelenkt, die sich in diesem Sommer in bayerischen Garnisonstädten ereignet haben.

Die Empörung und Erregung der Bevölkerung dieser Gemeinden wurde besonders im Falle des Würzburger Prozesses von der ganzen deutschen Öffentlichkeit geteilt. Auch kommunale Behörden und sogar der bayerische Ministerrat nahmen öffentlich Stellung zu den Vorkommnissen und verurteilten besonders die "brutale Vernehmung" des jungen Mädchens durch das amerikanische Militärgericht in Würzburg.

Jeder, dem die deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht gleichgültig sind, muß sich fragen: Wie ist es möglich, daß alle diese Fälle passieren konnten, die die deutsch-amerikanischen Beziehungen so schwer belasten? Was tut die amerikanische Armee eigentlich, um solchen Exzessen vorzubeugen?

Zunächst muß in Fairneß gesagt werden, daß im allgemeinen das Verhältnis zwischen den amerikanischen Soldaten und der deutschen Bevölkerung so schlecht nicht ist, wie es nach den Pressemeldungen den Anschein hat.

Die amerikanische militärische Führung gibt sich alle erdenkliche Mühe, um ein harmonisches Zusammenleben der Truppen mit der deutschen Bevölkerung zu gewährleisten. Sie tut in dieser Beziehung wahrscheinlich mehr als irgendeine andere Armee.