H., Paris, im August

Es gab bisher zwischen den französischen Außenbesitzungen und dem Mutterland ein Band, das allen nationalistischen Bestrebungen widerstand: Die gemeinsame Währungszone. Alle Länder, die unter französischem Einfluß stehen, sind mit Ausnahme der Neu-Hebriden, des französischen Teils des Somalilandes und des Vietnam – der Franczone angeschlossen. Innerhalb der Währungszone des Franc gibt es eigentlich fünf verschiedene Francs. Da ist der Franc des Mutterlandes, der – vorläufig – auch noch im Saargebiet Geltung hat, und der Nordafrikafranc, der in Algerien, Tunesien und Marokko, auf Guyane, Guadeloupe und Martinique offizielle Währung ist und zum Franc des Mutterlandes im Verhältnis 1 : 1 steht. Der C.F.A.-Franc ist in Französisch Ost- und Westafrika im Umlauf, in Togo, auf Madagaskar, auf den Komoren und den Inseln Reunion und St. Pierre et Miquelon; er wird zum Kurs von zwei "Mutterland-Francs" zu einem C.F.A.-Franc gewechselt. Zur Franczone gehört aber noch der Franc C.F.P. Franc des colonies francaises du Pacifique), der offizielles Zahlungsmittel in Neukaledonien und in den französischen Besitzungen Ozeaniens ist und von der Banque de France im Verhältnis von fünf Francs des Mutterlandes zu einem C.F.P.-Franc gewechselt wird. Ferner gehört auch das Piaster von Laos und Kambodscha zur Franczone. Diese Parität beträgt eins zu zehn.

Diese Kursdifferenzen haben im Warenhandel oft Schwierigkeiten gebracht. Aber es war niemals die Rede davon, sie anzugleichen, weil die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Territorien während und nach dem Krieg nicht gleichmäßig mit dem Mutterlande verlaufen war.

Die Währungseinheit des Franc ist nun nicht nur das Ziel bedeutender nationalistischer Angriffe geworden, sondern wird auch durch die wirtschaftliche Stagnation in den nordafrikanischen Territorien und die Rückführung erheblicher Kapitalien gefährdet. Die Stellung des Marokkofranc zur Währungszone wird gegenwärtig am meisten diskutiert. Es bestehen innerhalb der nationalistischen marockanischen Kreise Bestrebungen, ein weiteres Verbleiben des Marokkofranc in der Franczone als unvereinbar mit der Unabhängigkeit des Staates zu erklären. Man müsse, so erklären diese Kreise, alles daran setzen, um der währungspolitischen "Knechtschaft" ein Ende zu bereiten.

Eine Lösung aus der gemeinsamen Währungszone hätte für Marokko schwerwiegende Folgen. Die französische Regierung würde in einem solchen Fall ihre finanzielle Stützungspolitik gegenüber Rabat revidieren müssen. Zuallererst wäre die Zollfreiheit für marokkanische Produkte aufzuheben. Nun gingen aber im Vorjahr 57 v. H. des Marokkoexports nach Frankreich, und es ist kaum anzunehmen, daß ein anderes Land bereit ist, derartige Rechte der Regierung von Rabat einzuräumen. Wenn aber der Marokkofranc in der Währungszone verbleibt, dann stellt sich das Problem seiner Parität, die gegenwärtig 1:1 ist und von den französischen Sachverständigen als unhaltbar erklärt wird. Das marokkanische Preisniveau ist heute wesentlich höher als das des Mutterlandes, und die inflationistischen Tendenzen sind wesentlich ausgeprägter als in Frankreich selbst. Überdies klettern die Preise in Marokko ständig stark in die Höhe. Eine Klärung dieses Paritätsproblems wird daher kaum zu umgehen sein.

Eine andere und sehr bedeutungsvolle Frage ist die der Rückführung von Kapital aus Nordafrika nach Frankreich. Im Vorjahr erreichte diese Rückführung etwa 80 Mrd. Gegenwärtig werden täglich etwa 500 Mill. Francs aus Nordafrika nach dem Mutterland transferiert. Diese Kapitalbewegung mag der französischen Wirtschaft sehr nützen. Der Finanzminister freut sich daher über die Geldflüssigkeit. Sie hat aber zur Folge, daß die Misere in Nordafrika trotz aller Reformversprechungen und Pläne weiter wächst, weil das zu Investitionen verwendbare Kapital abgezogen wird und kein Ersatz vorhanden ist. Der Kapitalmangel macht sich in diesen Territorien bereits stark fühlbar und hat erhebliche Inflationsströmungen zur Folge, die ihrerseits die Solidität der Franczone ins Wanken bringen.