Früher war es eine Kunst, den Leser gut zu unterhalten. Besonders bei den Franzosen. Heute ist es eine Kunst für den Leser, gute Unterhaltung, zu finden. Denn anspruchsvolle Unterhaltung bedeutet ja nicht, nur die Langeweile zu vertreiben. Sie soll den Leser so in die Handlung mit einbeziehen, als müßte er an der fremden Welt teilhaben. Und der Eindruck ist um so bleibender, je mehr nach der Lektüre eine Auseinandersetzung mit ihr erfolgt. Diese Möglichkeit bietet:

James Aldridge: "Glühende Wüsten." Steinberg-Verlag Zürich. 413 S., 17,50 DM.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: der Held, ein junger Engländer und moderner Faust, der allerdings nach dem Sinn der Politik statt nach dem Sinn des Lebens sucht, entwickelt eine Vorliebe für Reflexionen über Sozialismus, Kommunismus, Religionen und englischen Merkantilismus, so daß man sich fragt, ob hierdurch der Inhalt gewaltsam auf eine höhere. Ebene gezerrt werden sollte.

Die Hauptfigur heißt Edwin Gordon, einTeufelskerl, der sich zum Führer arabischer Stämme macht und einen Aufstand gegen die britische Kolonialmacht organisiert. Von Nationalismus und Kommunismus bedrängt, sucht er absolute Freiheit für sich und seine Nomaden. Sein Idealismus stirbt erst mit ihm, und sein Ende nach verlorener Schlacht hat durch die Hoffnungslosigkeit, in der er zugrunde geht, fast antikes Format. – Ebenfalls in der Wüste spielt der Roman

Horst Schades: "Die Hölle Allahs." Steinberg-Verlag, Zürich. 235 S., 13,80 DM.

Er schildert das abenteuerliche Spionageleben des ungen Arabers Akef Dasuki, versüßt es durch eine verbotene Liebe zu der Frau eines Händlers, und das Happy-End ist nur der logische Schluß einer schlicht erzählten Geschichte, die den Leser sicherlich ergötzt, aber nicht zu sehr beansprucht. Daß der Verlag den Autor als "Dichter von hohen Gnaden" bezeichnete, wird selbst bei forciertem Wohlwollen nicht verständlich. – Aber verweilen wir noch ein wenig im Orient. Er ist so fremd, so faszinierend für die Deutschen, daß William Quindt auch für sein neues Buch die Handlung aus dem Morgenland bezieht:

William Quindt: "Götter und Gaukler." Paul Neff-Verlag, Wien, Berlin, Stuttgart. 640 S., 15,80 DM.