Der Umsatz der beiden Stammfirmen des Hauses Siemens (Siemens & Halske AG und Siemens-Schuckertwerke AG) wird in 1956 etwa 2,5 Mrd. DM betragen. Wenn auch die Bestellungen in ihrer Größenordnung über den Umsatzwerten liegen, so ist die Zunahme nicht mehr so stark wie in den Vorjahren und auch nicht mehr so steil wie bei der Umsatzkurve, Die Exportquote von 20 bis 25 v. H. wurde von Dr. Ernst von Siemens als durchaus gesund und auf lange Sicht auch im Hinblick auf den technischen Fortschritt als notwendig bezeichnet. Die für den vergrößerten Geschäftsumfang erforderlich gewordenen Investitionen werden in diesem Jahr um etwa 20 v. H. über dem Betrag des Vorjahres liegen. Die Finanzierung war nicht allein aus den Abschreibungen und dem Ertrag möglich, so daß beträchtliche Kredite aufgenommen werden mußten, deren Konsolidierung durch die jetzt beschlossenen Kapitalerhöhungen vorgenommen werden soll. So erhöht Siemens & Halske jetzt um 128 auf 448 Mill. DM (5 : 2 : 100), wobei die neuen Aktien ab 1. Oktober 1956 dividendenberechtigt sind. Bei Siemens-Schuckert wird das AK um 50 auf 300 Mill. DM heraufgesetzt.

Mit der Entwicklung "seines" Unternehmens kann der Siemens-Aktionär nach diesen Verwaltungsangaben durchaus zufrieden sein. Wenn es dennoch in den Börsensälen nach der HV zu einem spürbaren Druck auf den Siemens-Kurs gekommen ist, dann liegt es an der Vorstandserklärung, nach der die Gesellschaft aller Voraussicht nach in der Lage sein werde, "auch für das bald zu Ende gehende Geschäftsjahr die gleiche Dividende von 9 v. H. wie im Vorjahr auszuschütten". Nach den guten Ergebnissen der letzten Jahre hatten aber viele Aktionäre mit 10 v. H. gerechnet, die nun ihrer Enttäuschung in einem Abstoßen ihrer Papiere Ausdruck gaben. Sie übersahen in ihrer augenblicklichen Verärgerung jedoch, daß der diesjährige Verzicht auf eine zweistellige Dividende (weil mehr investiert wird) wahrscheinlich dazu beitragen wird, die Voraussetzungen für bessere Erträge in den Folgejahren zu schaffen. Nach Durchführung der zur Zeit noch laufenden Planungen will die Siemens-Verwaltung sich im kommenden Jahr zurückhalten. Sie glaubt – ein relativ gleichmäßiges Geschäft vorausgesetzt – die dann noch geplanten Investitionen aus Abschreibungen und Ertrag finanzieren zu können. Die bisherige aktionärsfreundliche Politik des Hauses Siemens gibt das Vertrauen, daß die Dividenden nicht zu kurz kommen werden. Sieht man von den Großaktionären ab, so wird das Siemens-Kapital von einer Masse kleiner Sparer getragen, die sich zu einem großen Teil auch wieder an der neuen Kapitalerhöhung beteiligen werden. Sie sind mit ihrer Treue zu Siemens bislang gut gefahren – daran darf sich auch nichts ändern! – n d t