Minister Lübke hat kürzlich die Klagen über zu hohe Lebensmittelpreise mit der Forderung zurückgewiesen, daß die Hausfrauen "überlegter einkaufen" sollten; sie hätten es selber in der Hand, die Preise unter Druck zu setzen. Die Ausführungen des Ministers haben, wie nicht anders zu erwarten war, sehr unfreundliche Kommentare in der Öffentlichkeit ausgelöst, besonders bei jenen Organisationen und Parteien, die den "Schutz des Verbrauchers" auf ihr Panier geschrieben haben. Hier nun ein Artikel, geschrieben von einer unserer Mitarbeiterinnen, der dem ob seiner Kritik an den Hausfrauen so arg gezausten Ernährungsminister zur Freude gereichen wird... Von uns aus ist dazu zu sagen, daß er zum mindesten ein gut Stück Wahrheit enthält, wenn auch wohl nicht die ganze. Aber schön ist es immerhin, heutzutage jemanden zu finden, der die "Schuld" nicht immer nur bei den anderen, sondern zuerst bei sich selber sucht. Und daran hat es bislang leider gefehlt...

Zwei Drittel des Volkseinkommens fließt bei uns durch die Hände der Hausfrauen. Damit sind sie entscheidend am westdeutschen Verbrauch beteiligt und verfügen über eine Macht, das wirtschaftliche Geschehen zu beeinflussen, wie sie ihnen in allen ihren Konsequenzen bisher kaum bewußt geworden sein dürfte. Wer aber Macht besitzt, muß verstehen, auf diesem Instrument richtig zu spielen, und zwar solidarisch, wie dies beispielsweise im Ausland, vor allem in den Vereinigten Staaten, geschieht. Auch bei uns bemühen sich seit einiger Zeit die Verbraucherverbände, um die Hausfrauen dazu zu erziehen, daß sie sich "marktgerecht verhalten". Sie stoßen damit auf wenig Gegenliebe, weil jedes kritische Wort und jede Anregung als unbefugte Einmischung in die persönliche Sphäre empfunden werden. Nun geben aber die Hausfrauenverbände selber zu, so kürzlich zu lesen in einem ihrer Mitteilungsblätter, "daß 85 v. H. aller Hausfrauen weder die Möglichkeit noch die Kenntnisse haben, die Vorgänge in der Wirtschaft zu verfolgen und sich ein Urteil über angemessene Preise zu bilden". Ein wahrhaft offenes und trauriges Zugeständnis! Es wäre verfehlt, unsere Frauengeneration allein dafür verantwortlich zu machen. Denn um wirtschaftlich selbständig denken und handeln zu können, muß man sein Handwerk erlernt haben oder es zumindestens erlernen wollen...

Doch darum ist es heute offensichtlich schlecht bestellt. Das junge Mädchen ist häufig bis zur Eheschließung berufstätig, die junge Frau in vielen Fällen auch noch danach. Den Haushalt zu studieren, wie es für unsere Großmütter und Mütter selbstverständlich war, hält man für überflüssig. Im allgemeinen ist in unseren Schulen die Hauswirtschaft oder ein anderes Fach zur wirtschaftlichen Erziehung noch nicht eingedrungen.

Wir leben aber in einer volkswirtschaftlichen Situation, die es nicht erlaubt, ein allen vernünftigen Überlegungen widersprechendes Verhalten von Millionen von Hausfrauen hinzunehmen und dies mit allen erdenklichen Argumenten – wie Berufstätigkeit, neuzeitliche Ernährungsmethoden, steigende Preise und anderem mehr – zu entschuldigen. Das zu akzeptieren, hieße die Dinge auf den Kopf stellen. Zwar sind die "Frauen nicht an allem schuld", wie es kürzlich an dieser Stelle pointiert ausgedrückt wurde – aber an manchem. Es ist nicht damit getan, sich über zu hohe Preise zu beklagen. Man muß ihnen entgegentreten. Und das kann man.

Wir alle, so scheint es, sind maßlos in unseren Ansprüchen geworden. Unsere Großeltern waren sparsame Leute. Sie wurden reich. Schulden zu machen galt als verwerflich. "Wohne über deinem Stand, kleide dich nach deinem Stand, iß unter deinem Stand", war eines ihrer bewährten Leit-Worte. Heute wird der Geltungsnutzen groß geschrieben. Nur wer einen Eisschrank, eih Auto oder ein Moped besitzt, eine Fernsehtruhe, wer sich kleidet wie ein Mannequin, wer nach Italien reist, gilt etwas bei seinem Nachbarn. Das Bankkonto ist nicht wichtig. Das sieht niemand. Außerdem könnte man sein Geld wieder einmal verlieren. Noch immer ist das "Schreckgespenst Inflation" nicht vergessen.

Was für den Verbraucher im allgemeinen gilt, gilt für die Hausfrau im besonderen. Da man nicht sparen will; will man gut leben, und zwar um jeden Preis. Reicht das Geld nicht, müssen eben die Löhne wieder einmal steigen. Tun sie es, kann man eine Weile ebensogut wie vorher oder noch besser leben, bis die höhere Nachfrage die Preise weiter klettern läßt. Hektisch und planlos wird gekauft, denn, was man besitzt oder gegessen hat, kann einem keine "Geldentwertung" mehr nehmen. Und wenn sich die "Schraube ohne Ende" einmal zu schnell drehen sollte, dann wird Vater Staat schon das seinige tun, um sie anzuhalten... Dabei wird nur übersehen, daß er dies in einer freien Wirtschaft schwer kann. Er kann es allerdings beim Rückschritt zur Planwirtschaft. Doch sollten die schlimmen Erfahrungen mit ihr, die Lebensmittelkarten und Bezugsscheine, schon vergessen sein?

In einer freien Wirtschaft pendelt sich der Preis weitgehend nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage ein. Steigt diese schneller als jene, gehen die Preise herauf, und umgekehrt. Die Summe aller Käufe ergibt die Nachfrage. Somit hat es jeder letztlich in der Hand, welchen Preis er zahlen will. Disponiert er richtig, kauft er günstig ein, wird er sich – sofern es Millionen Einsichtiger gibt – kaum über zu hohe Preise zu beklagen haben. Dazu bedarf es allerdings einigen Nachdenkens und – um auf die Hauswirtschaft zurückzukommen – einiger Mühe.