Das friedliche, geschäftige und unter freundlichem Himmel des Südens zuweilen sogar schön? Leben in Zypern ist wieder vorbei. Nach kurzer Atempause gingen die Stacheldrahtverhaue wieder hoch, der Kampf auf Leben und Tod begann von neuem.

Am 16. August hatte EOKA-Führer Dighenis sein Waffenstillstandsangebot gemacht: "Für den Fall, daß es unsere Gegner aufrichtig meinen, wenn sie sagen, eine gerechte Lösung könne nicht gefunden werden, solange Unser Kampf andauert, bin ich bereit, den Kampf vorübergehend einzustellen."

Feldmarschall Sir John Harding forderte daraufhin die Rebellen auf, entweder freiwillig in die Verbannung nach Griechenland zu gehen oder sich einem britischen Militärgericht zu stellen.

Das erscheinen durchaus annehmbare Bedingungen, vom Standpunkt der britischen Regierung aus, die in der EOKA nicht einen kämpfenden "Gegner", sondern eine Verbrecherbande sieht. Wer auch nur das geringste Einfühlungsvermögen in die Mentalität der Leute um den griechischen Exobersten Grivas, alias Dighenis, hat, wußte, daß sie solche Bedingungen niemals annehmen würden. Denn sie halten sich eben nicht für Verbrecher, natürlich nicht, sondern für Freiheitshelden.

Mit den Worten, die der große Leonidas – klassisches Vorbild des Helden nicht nur für die Griechen, sondern für das gesamte humanistische Abendland – bei Thermopylae 480 v. Chr. den Persern zurief, beantwortete denn auch Dighenis die Forderung des britischen Militärgouverneurs: Unsere Waffen niederlegen? – "Nein! Kommt und holt sie euch!"

Schon das war schlimm. Es kam noch schlimmer. In einem kleinen Dorf – so hieß es – haben britische Soldaten Archivunterlagen der EOKA gefunden, aus denen hervorgeht, daß Erzbischof Makarios nicht nur – wie als Grund seiner Verbannung angegeben – den EOKA-Terror zu verdammen sich geweigert hat, sondern selber der Führer der EOKA-Bewegung war.

Das rechtfertigt nicht nur die Verbannung des Erzbischofs; das macht nicht nur seine Hinzuziehung zu etwaigen Verhandlungen unmöglich, sondern es ist ausreichender Grund für einen Prozeß. Wir hoffen, daß dieser Prozeß geführt wird. Wir hoffen auch, daß es britische Regierung dabei ihrer eigenen Opposition, aber auch ihren Verbündeten und Freunden leicht macht, zu sehen, wo Recht und Anrecht liegt. Wir hoffen deswegen, daß der Prozeß öffentlich vor internationalen Beobachtern stattfindet und daß auch das belastende Beweismaterial – im Gegensatz etwa zu den Tag büchern des Roger Casement oder den belastenden Dokumenten im Falle Naumann – internationaler Inspektion zugänglich gemacht wird. Leo