RheinlandPfalz ist nach den Hansestädten und Schleswig Holstein das kleinste Bundesland, sowohl nach der Fläche (19 828 Quadratkilometer), als auch nach der Einwohnerzahl (3 4 Millionen). Und dennoch bestehen zwischen dem Süden des Landes (der Pfalz) und dem Norden (dem Mittelrheingebiet) anscheinend so unüberbrückbare kulturelle und stammesgebundene Unterschiede, daß nach Ansicht maßgebender Landespolitiker jedes Landeskabinett in seiner Zusammensetzung die landschaftliche Gliederung von Rheinland Pfalz richtig widerspiegeln muß.

Infolgedessen hat der pfälzische Bezirksverband der Christlich Demokratischen Union nach dem unerwarteten Tode des 61jährigen Kultusministers Dr. Albert Finck am 3. August kategorisch die Forderung erhoben, daß der freigewordene Ministersessel wieder mit einem Pfälzer zu besetzen sei. Dem Landtag wird daher voraussichtlich in seiner ersten Sitzung nach den Ferien der Bundestagsabgeordnete Dr rer pol, Orth aus Speyer als Nachfolger Dr. Fincks präsentiert werden.

Es steht noch nicht fest, ob die Mehrheit der Abgeordneten diesen Ministerkandidaten akzeptieren wird. Es gibt in Rheinland Pfalz einige Persönlichkeiten, die über mehr Erfahrungen auf dem Gebiete der Kulturpolitik verfügen als der Natiohalökonom Dr. Orth. Es wurden die Namen des Landesministers a. D. Prof. Süsterhenn, der Staatssekretärin Gantenberg vom Kultusministerium und des Vorsitzenden des kulturpolitischen Landtagsausschusses, Dr. Christoffel, genannt.

Aber mit diesen Kandidaten für den Posten des Kultusministers ist es so eine Sache: der eine ist nicht aus der Pfalz, der andere hat die falsche Konfession, und bei" wieder anderen, deren Namen wir gar nicht erst nennen wollen, stimmt das Parteibuch nicht.

Sb ist denn also die Besetzung der Mainzer Ministerposten eine Art Quadratur des Zirkels, oder richtiger: ein schwieriger Fall von Kombinatorik. Dieses Feld der Mathematik ist, wie man weiß, selbst für recht begabte Schüler voller Fußangeln. Wie viele Kombinationen aus den Elementen CDU und FDP (im folgenden als "C" und "F" bezeichnet), katholisch und evangelisch ("k" und "e") und den Herkunftsbezeichnungen Pfalz, Rheinhessen, Trier, Koblenz, Montabaur (P, R, T, K, M) gibt es? Nun, es sind nicht weniger als 20: CkP, CkR, CkT, CkK, CkM CeP, CeR, CeT, CeK, CeM, FkP, FkR, FkT, FkK, FkM, FeP, FeR, FeT, FeK, FeM.

Insgesamt 20 Minister müßte also RheinlandPfalz haben, wenn alle Regierungsbezirke mit jeder Konfession und jeder koalitionsgemäßen Parteirichtung vertreten sein wollten.

Vorerst gibt es in Mainz nur sechs Minister; es wird aber schon ernsthaft darüber gesprochen, daß die pfälzischen Wünsche vielleicht durch Erhöhung der Ministerzahl von sechs auf acht befriedigt werden könnten.