avi, Wiesbaden

Was soll ein Laie in diesem Gesetzes-Tohuwabohu machen, wenn selbst Juristen nicht mehr durchfinden?" fragte Amtsgerichtsrat Dr. Bestgen, als sich bei einer Verhandlung wegen Übertretung des Tierschutzgesetzes herausstellte, daß der Angeklagte noch 24 Stunden vor Einleitung der hochnotpeinlichen Untersuchung von einem Landgerichtsrat in Koblenz darum gebeten worden war, das zu tun, was man ihm jetzt verwarf.

Seit zwanzig Jahren ist der Hundeliebhaber, der sich da zu verantworten hatte, in den verschiedensten Vereinen tätig. "Ich stehe in der Gebrauchshundebewegung Hessens", erklärte er vor dem Amtsgericht Wiesbaden. Reiche Erfahrungen hatte sich der pensionierte Polizeibeamte beim Kupieren der Ohren und Schwänze junger Hunde erworben. Und alle Mitglieder der "Gebrauchshundebewegung" bestätigten ihm, daß man sich mit den so behandelten Tieren auf jeder Ausstellung sehen lassen konnte. Auch hatte er bei den vierbeinigen Patienten stets örtliche Betäubung angewandt. Aber gerade damit verstieß er gegen das Gesetz; denn eine solche Betäubung darf nur ein Tierarzt vornehmen.

Er habe das nicht gewußt, beteuerte der Angeklagte. Und anscheinend hatte auch jener Landgerichtsrat in Koblenz das nicht gewußt. "Und schließlich", so stellte der Richter fest, "hat er auch bei Minister a. D. Steffan in Mainz die Ohren kupiert. Der Prozeß endete mit einem Freispruch.