Brh, Düsseldorf Wenn nicht die Wenner Gren Föitndtttion, früher Anthropological Research, New York, für den zur Zeit stattfindenden internationalen Kongreß der Urgeschichtsforscher in Düsseldorf zum Thema, "Hundert Jahre Neandertaler" erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt hätte, so wäre dieser Kongreß nicht zustande gekommen — zumindest nicht in Düsseldorf. Denn die reiche Landeshauptstadt des reichsten Bundeslandes hat für so etwas kein Geld.

Zwar fand Oberbürgermeister Josef Gockeln als Schirmherr des Kongresses zur Eröffnung wie immer recht launige Worte über den "kostbaren alten Marin", jenen ältesten Vorortbürger der Stadt, dessen Knochen an einem Augusttag Anno 1856 im Neandertal bei Düsseldorf gefunden worden waren, doch Kämmerer und Werbedirektion zeigten sich wenig willig, zu dieser erstrangigen wissenschaftlichen Tagung ihren prallen, güldenen Säckel wenigstens um einen kleinen Spalt zu öffnen. Nicht einmal ein gemeinsames Mittagessen nach der Eröffnungsfeier für die rund 200 Forscher, Wissenschaftler und Ärzte aus aller "Welt war "drin".

Dabei kamen die Vielgelehrten aus Afrika, Asien, Amerika und ganz Europa angereist. Aber sie kamen nicht, um in Düsseldorfs attraktiven Geschäften auf der Kö Geld zu lassen oder in mondänen Gaststätten kostspielig über Spesen zu feiern. Sie debattierten nicht über "Wirtschaftsgüter" ; sie gehören nicht zu den Vertretern jener Branchen, denen man die repräsentativen Räumlichkeiten der Stadt freimütig, zur Verfügung zu stellen pflegt; sie sind auch nicht Prinz Karneval, für den man große Summen jahrein, jahraus auszugeben bereit ist.

Die dreißig wissenschaftlichen Vorträge der Forscher aus zehn Nationen werden nun in der Aula des Goethe Lyzeums in der Lindemannstraße gehalten, einer Mädchenschule, deren Leitung den Raum für dieses Ereignis gern und mit Liebe zur Verfügung gestellt hat. Diese Vortrage sollen Auch in einem Buch zusammengefaßt werden. Das Geld dafür ist nur dank der finanziellen Hilfestellung der amerikanischen Gesellschaft vorhanden. Die Sonderausstellung über die Urahnen der Menschheit aus wertvollsten Funden der Welt ist im ehemaligen Zoobunker zu sehen. Einen geeigneteren Raum "gab es nicht". Im Düsseldorfer Kultur- ABC steht eben Wissenschaft gleich neben Zoo, also ganz, ganz am Schluß.

Woher stammt der Mensch? Darüber debattieren, wie wir an anderer Stelle berichten, die Großen der Urgeschichtsforschung in Bunkerräumen und in einer Lyzeumsaula. Wie der Mensch heute ist, darüber geben die Vorgänge in Düsseldorf ausreichend, aber nicht befriedigend Auskunft.