Die Republikanische Partei in den Vereinigten Staaten hat auf ihrem Parteikonvent in San Franzisko Präsident Eisenhower zu ihrem Präsidentschaftskandidaten und den bisherigen Vizepräsidenten Richard M. Nixon zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten einstimmig durch Zuruf ernannt. Die Einstimmigkeit bei der Ernennung Eisenhowers stand seit langem fest, denn alle Republikaner, ob sie nun "Reaktionäre" oder "Liberale", "Isolationisten" oder "Internationalisten" sein mögen, sind davon überzeugt, daß sie ohne Eisenhower nur geringe Aussichten auf einen Sieg bei den Anfang November stattfindenden Wahlen haben werden.

Die Einstimmigkeit für Nixon ist dagegen nicht das Ergebnis einer in allen Kreisen der Republikanischen Partei vorhandenen Uberzeugung, daß er der beste verfügbare Nachfolger für Präsident Eisenhower ist, falls dieser während seiner Amtsperiode durch Krankheit oder Tod ausfallen sollte. Darüber, daß der konservative Flügel der Republikaner mit der Nominierung Nixons durchaus einverstanden sein würde, hat niemals der geringste Zweifel bestanden. Daß auch die Liberalen in der Partei dieser Nominierung zustimmten, ist damit zu erklären, daß Präsident Eisenhower, den sie mit einem gewissen Recht als einen der ihren betrachten, sie niemals – auch nicht während seiner beiden Erkrankungen – ermutigt hat, andere Kandidaturen ernsthaft ins Auge zu fassen. Unter diesen Umständen war nicht zu erwarten, daß der Parteikonvent vor aller Welt darüber disputieren würde, wer der beste Mann für den Posten des Vizepräsidenten sei. Mit einem derartigen Disput wäre auch das vom Standpunkt des Parteiinteresses selbstmörderische Eingeständnis eines ernsthaften Zweifels an der Fähigkeit des Präsidenten, seine Amtszeit durchzustehen, verbunden gewesen. So kam es, daß der liberale Flügel auf eine Diskussion bei der Nominierung des Vizepräsidenten verzichtete. Nach außen hin wurde daher durch die einstimmige Nominierung Nixons ein eindrucksvolles Bild der Einigkeit gegeben.

Nun wurde aber Präsident Eisenhower im Jahre 1952 nicht nur von Republikanern gewählt, vielmehr gaben für seine Wahl die Stimmen der unabhängigen Wähler den Ausschlag, die auch bei der kommenden Wahl ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Gerade unter diesen Unabhängigen gibt es nach einer vielfach vertretenen Auffassung, die auch von Eisenhowers Abrüstungsminister Harold E. Stassen geteilt wird, viele, die gegen Nixon sind. Diese Wähler nahmen nicht nur an der Art, wie Nixon den letzten Wahlkampf führte, Anstoß, sie halten ihn in der möglichen Rolle eines Präsidenten überhaupt für einen zu unberechenbaren Faktor. Aber auf dem Parteikonvent in San Franzisko mußte Stassen nach Lage der Dinge mit seiner nixonfeindlichen Auffassung Schiffbruch erleiden. Ob er am Ende nicht doch recht behält, wird der Ausgang des Wahlkampfes zeigen.

Adlai Stevenson, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, hatte in Erkenntnis der bedeutenden Rolle, die die Frage der Vizepräsidentschaft im Wahlkampf spielen wird, entgegen bisherigen Gepflogenheiten, auf Benennung eines ihm genehmen Kandidaten verzichtet und den Parteikonvent aufgefordert, selbst seine Wahl zu treffen. Durch dieses Verfahren, bei dem einer der fähigsten Köpfe der Demokratischen Partei, Senator Estes Kefauver, gewählt wurde, soll eine günstige Wirkung auf die unabhängigen Wähler erzielt werden. Gleichzeitig wollen die Demokraten den Schwerpunkt ihrer Angriffe im Wahlkampf gegen die Person Nixons richten, da ihre Führung der Überzeugung ist, daß sehr viele Wähler Mr. Nixon nicht für den geeigneten Nachfolger Eisenhowers halten. E. K.