Soone Masche ist das mit den Perlonstrümpfen", sagte vor einigen Jahren ein aus Berlin gebürtiger westdeutscher Strumpffabrikant zu uns, als wir seine neue Cottonstrumpfwirkerei besichtigten. "Wir werden unsere Produktion hochjagen, daß Sie sich wundern werden." Auf unsere Frage nach den Absatzmöglichkeiten meinte er, die deutsche Frau muß amerikanischer werden; Strümpfe stopfen ist unmodern; tragen, wegwerfen und neue kaufen.

Nun, es ist jetzt zweieinhalb Jahre später. Nach stürmischer Aufwärtsentwicklung steht die deutsche Cottonstrumpfwirkerei vor der Tatsache, mehr als eine Monatsproduktion unverkauft auf Lager zu haben. Gegenüber dem Vorjahr ist die Produktion um 21 v. H., der Absatz nur noch um 16 v. H. gestiegen. Die Preise sind stark gedrückt und liegen heute für einen Markenstrumpf bei 3,90 bis 4,90 DM. Viel wäre also im Preis nach unten nicht mehr drin. Wie soll man den Absatz beleben?

Offenbar war – um weiter berlinisch zu reden – soone Masche doch keene Masche. Dazu noch etwas aus der Vergangenheit der Perlon-Entwicklung, die uns nie gefallen hat und die wir schon vor Jahren in Einzelgesprächen mit großen und größten Fabrikanten unverhohlen zum Ausdruck gebracht haben. Der Grundsatz der systematischen Qualitätsverschlechterung muß sich eines Tages rächen und rächt sich offenbar jetzt. Als Perlon auf den Markt kam, hatte es eine großartige Haltbarkeit. Man führte die neue Chemiefaser mit dem Hinweis ein, daß man Männer und Frauen wochen- und monatelang auf dem neuen Strumpf hätte Probelaufen lassen, "ohne daß er kaputt zu kriegen gewesen wäre". Aber wir wollen nicht in den Archiven der alten Pressekonferenzen blättern. Wir brauchen nur die Frau, die Tochter, die Freundin oder die Sekretärin zu fragen. Und wenn man als Mann durch die Straßen geht, fällt einem vielleicht auch auf, daß das Schild "Hier werden Laufmaschen angenommen" an Dutzenden von Ladentüren steht. Die Rache des Marktes ist echt, der Amerikanismus nicht immer klug. Rlt.